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Romuald Karmakar

Olaf Möller, Michael Omasta: Romuald Karmakar. Wien 2010. FilmmuseumSynemaPublikationen 13, 240 Seiten. 20,00 Euro.

Weitab vom Mainstream

Von Oliver Baumgarten Die Filmbuchreihe mit dem etwas sperrigen Titel »FilmmuseumSynemaPublikationen« ist eine äußerst verdienstvolle Initiative jener beiden umtriebigen Wiener Institutionen, die sich dort im Titel verewigt haben. Sie richtet ihre Aufmerksamkeit auf Filmemacher und Strömungen weitab vom Mainstream, von österreichischen Experimentalfilmgrößen wie Peter Tscherkassky und Gustav Deutsch bis hin zu internationalen Stars der Kinoavantgarde, James Benning und Apichatpong Weerasethakul. Viele gestandene deutsche Filmkünstler, die in diese Reihe passen könnten, gibt es nicht, Müller/Girardet vielleicht, Schlingensief oder eben er: Romuald Karmakar, der sich zwar immer wieder auch konventioneller Erzählformate bedient, dessen Werk aber durchweg geprägt ist von reflektierter Haltung und individuellem Gestaltungswillen.

Das publizistische Konzept der Buchreihe, sich seinem Gegenstand in unterschiedlichen Textformaten zu nähern, prägt auch seinen 13. Teil: Neben einem ausführlichen und werkübergreifenden Essay stellt der Band zudem Interviews aus 20 Jahren, diverse Texte von Karmakar selbst sowie eine ausführliche Filmographie mit Auszügen aus Kritiken zu den Filmen Karmakars.

Der Essay stammt von Mitherausgeber Olaf Möller, der den Leser in flottem Ton auf eine Reise durch Karmakars kreatives Schaffen aus 25 Jahren mitnimmt, dabei seinen Argumentationsradius stets offen gestaltet für politische und gesellschaftliche Kontexte und so für zahlreiche erhellende Momente sorgt. Von Möller spannend herausgearbeitet ist auch Karmakars vielschichtiger Bezug zum Wort oder besser: zum Text – ein Bezug, der für die Schaffensphase des Künstlers rund um seine aufsehenerregenden Rekonkretisierungsarbeiten (von Der Totmacher über Das Himmler-Projekt bis hin zu Hamburger Lektionen) so wichtig war wie etwa die elektronische Musik für die jüngste Phase, in der solch hypnotische Projekte wie 196 bpm und Between the Devil and the White Blue Sea entstanden sind.

Daß Karmakar zu den eigensinnigen und streitbaren deutschen Filmemachern unserer Zeit gehört, wird nicht nur aus seinen Filmen selbst heraus deutlich, angefangen vom legendären Coup de boule (1987) bis zum wunderbaren Deutschland 09-Segment Ramses, sondern auch aus den Interviews des ansprechend gestalteten Buches, die den Essay sinnvoll zu einer gelungenen Textsammlung ergänzen. 2010-09-03 13:47

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #59.
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