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Die Spielfilme von Ken Loach

Jong Uk Yun: Die Spielfilme von Ken Loach – Perspektive eines realistischen Kinos. Darmstadt 2010. Büchner-Verlag, 215 Seiten. 26,90 Euro.

Verspäteter Preisregen

Von Carsten Happe Dieses Buch schließt eine allzu lange Zeit offene Lücke, meines Wissens ist es die erste deutsche Monographie über Ken Loach und sein beeindruckendes Oeuvre an Filmen, die er seit Mitte der sechziger Jahre mit bewundernswerter Regelmäßigkeit herausbringt. 1964 begann Loachs Werdegang als Regisseur von Fernsehspielen bei der BBC, 1967 debütierte er mit Poor Cow im Kino. Nach einer Durststrecke in den Siebzigern und Achtzigern, als er nur selten Spielfilme finanziert bekam und mit dezidiert politischen Dokumentationen bei den Zensoren, vornehmlich der Thatcher-Regierung, aneckte, erlebte seine Karriere zu Beginn der Neunziger einen zweiten Aufschwung. Seine Working-Class-Trilogie mit Riff-Raff (1991), Raining Stones (1993) und Ladybird, Ladybird (1994) etablierte ihn auf der Weltkarte des engagierten Kinos und war der Auftakt eines wahren Preisregens bei allen wichtigen Festivals und Ehrungen.

Jong Uk Yun behandelt in seinem Buch nicht das Gesamtwerk Loachs, sondern greift 16 Spielfilme heraus, die seiner Meinung nach die Entwicklung des Filmemachers anschaulich machen. Die Einordnung, die Yun vornimmt, erweist sich als jederzeit plausibel, wenngleich Klassifizierungen wie »Intensivierung der Gefühle« recht allgemein daherkommen. Das vorliegende Buch ist Yuns Doktorarbeit, und diesen Umstand merkt man ihm zu jedem Zeitpunkt auch an, nicht zuletzt durch die Fülle an Fußnoten, die den Lesefluß mitunter ziemlich hemmen. Leider kann Yun in seiner Arbeit der Loach-Forschung kaum neue Aspekte abgewinnen und folgt oftmals einfach nur den Erkenntnissen, die die britischen Monographien zu Loach, die von George McKnight, Jacob Leigh und Anthony Heyward verfaßt wurden, gewonnen haben.

Positiv zu erwähnen sind jedoch die vielerorts farbigen Szenenfotos, die die Analysen punktuell perfekt unterstützen, allerdings hätte die gleiche Sorgfalt im Lektorat der Arbeit durchaus gut getan. So bleibt das Buch lediglich ein erster Einstieg in die Auseinandersetzung mit dem Werk Ken Loachs, für tiefer gehende Einblicke seien nach wie vor die oben erwähnten britischen Autoren empfohlen. 2010-07-09 13:45

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