— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Kino des Minimalismus

Norbert Grob, Bernd Kiefer, Roman Mauer, Josef Rauscher (Hg.): Kino des Minimalismus. Mainz 2008. Bender, 262 Seiten. 12,80 Euro.

Es lebe das Arthouse-Kino!

Von Michael Leuffen Einst wurde das Medium Film aus dem Jahrmarktspektakel geboren. Anschließend entwickelte es an seinen Rändern künstlerische Formgestaltungen, die sich über die Jahre hinweg in viele Unterdisziplinen ausdifferenziert haben. Es gibt das anspielungsreiche, visuell komplexe Kino eines Orson Welles, Stanley Kubricks oder Peter Greenaways. Es gibt das assoziative, experimentelle Kino eines Kenneth Anger oder Stan Brakhage. Und es gibt den minimalistisch gezeichneten Film von Regisseuren wie Jim Jarmusch oder Butt Boetticher. Dem letzteren widmet sich der im Bender Verlag erschienene Band »Kino des Minimalismus« mit analytischen Aufsätzen zu Regisseuren wie Buster Keaton, Yasujiro Ozu, Robert Bresson oder John Cassavetes. Die einzelnen Beiträge spüren formale Handschriften im Werk der einzelnen Künstler auf, beschreiben kulturelle und soziale Referenzen anhand ihrer Ästhetik und zeigen eindrucksvoll, wie das Kino der wenigen Mittel eine maximale visuelle Erfahrung sein kann. Was alle behandelten Regisseure kulturübergreifend eint, ist eine Vorstellung von Kino das über den Status seines Schauwerts hinausgeht. Ein Kino, das herkömmliche Dramatisierungsstrategien vermeidet, nur bedingt psychologisiert und jeden formalen Eingriff so reduziert und bedacht wie möglich einsetzt. In Zeiten des mit visuellen Effekten überfrachteten Blockbuster-Spektakels und des überdramatisierten TV-Serien-Overkills lenken die hier versammelten Aufsätze den Blick auf ein Kino, das mit reduzierten Mitteln komplexe Inhalte poetisch anspruchsvoll visualisiert und diskutiert. Ein Kino, das vom Zuschauer ein aufmerksames, quasi buddhistisch ruhendes Auge verlangt. Das Schöne an der hier vorliegenden Aufsatzsammlung ist dabei, daß alle Autoren trotz ihres analytischen Blicks auch stets ihre Liebe zum Werk des diskutierten Regisseurs charmant mitschwingen lassen. Eine stilistische Note, die Lust auf die hier diskutierte Kunst macht und dank der man sehr schnell die Arthouse-Abteilung der Videothek seines Vertrauens aufsucht. 2010-05-14 10:56

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap