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Scenario 4: Film- und Drehbuch-Almanach

Jochen Brunow (Hg.): Scenario 4: Film- und Drehbuch-Almanach. Berlin 2010. Bertz + Fischer, 349 Seiten. 24 Euro.

Alles andere als »tragisch«

Von Kyra Scheurer »Vier gewinnt«, möchte man angesichts der gelungenen vierten Ausgabe des Drehbuch-Almanachs ausrufen – doch das von Herausgeber Jochen Brunow dem Band vorangestellte Motto ist ungleich ernster, gewichtig gar: »Wer keine Vorstellung von einer besseren Welt hat, kann auch nicht tragisch erzählen«. Gut, daß die Autoren, die die bewährten Rubriken Werkstattgespräch, Essays, Journal, Lesezeichen und Backstory wieder mit einer Fülle von Ideen, Anekdoten, Analysen, Thesen, Reflexionen und Fundstücken bereichern, alles andere als »tragisch« erzählen. Gewohnt unterhaltsam und versiert werden aktuelle Diskurse bzw. im Krisenjahr 2009 vor allem aktuelle Krisenthemen behandelt: Der Fall Doris Heinze etwa prägt Dorothee Schöns Journal »Tagebuch einer Zimmerpflanze« ganz wesentlich, aber auch Querelen innerhalb der Deutschen Filmakademie und die Fiktionalisierung der realen Geschichte einer Mannesmann-Sekretärin, die eine ebenfalls ganz reale Krise erst für die Öffentlichkeit hat sichtbar werden lassen, werden aus bewußt subjektiver Autorinnensicht geschildert. Fernab des Anekdotenhaften widmen sich dann verschiedene Essays dem umstrittenen Krisengenre Biopic (Wieland Bauder) oder dem »Widerstand der Fabel«, wenn Gerhard Midding angesichts des Ansturms des Dokumentarischen fragt »Verliert das Kino das Vertrauen in die Fiktion?«.

Ein absolutes Highlight des Bandes findet sich in der über Heutiges hinausweisenden Rubrik »Backstory«: ein wunderbarer, erstmals auf deutsch veröffentlichter, rundum geist- und seelenreicher Text von Samson Raphaelson über seine Zusammenarbeit mit Ernst Lubitsch und seinen verfrühten Nachruf auf den Freund, den dieser später mit ihm gemeinsam überarbeitete. Das »Werkstattgespräch« führte der Herausgeber diesmal mit dem Autor, Regisseur und Dozenten Michael Gutmann, der u.a. über seine Leidenschaft für das Comic, die ungewöhnliche Kooperation mit anderen Autoren-Regisseuren wie Hans-Christian Schmid in wechselnder Rollenverteilung und über Probleme bei der Entwicklung des Drehbuchs zu Krabat berichtet. Und natürlich ist auch wieder das mit dem Deutschen Drehbuchpreis für das beste unverfilmte Drehbuch des Jahres 2009 ausgezeichnete Script vollständig abgedruckt: »Mein Bruder, Hitlerjunge Quex« von Karsten Laske. 2010-05-28 10:26

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #58.

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