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Hollywood greift an!

Stefan Hug: Hollywood greift an! Kriegsfilme machen Politik. Graz 2009. Ares Verlag, 180 Seiten. 19,90 Euro.

Hollywood greift an, und seit 5:45 Uhr wird zurückgeschossen

Von Martin Holtz Um es gleich vorwegzunehmen: Bei dieser Publikation vom Ares Verlag, einem einschlägig rechtskonservativen Forum für deutschtümelnde Geschichtsklitterei, handelt es sich um eine als Filmkritik getarnte Polemik gegen den »amerikanischen Imperialismus« des Hollywood-Kinos.

Dabei fängt es ganz harmlos an. In den ersten Kapiteln wird der amerikanische Kriegsfilm in seiner propagandistischen Funktion vom spanisch-amerikanischen Krieg 1898/1899 bis hin zum heutigen »War on Terror« analysiert. Wobei Analyse eigentlich schon das falsche Wort ist. Vielmehr geht es dem Autor darum, dem Leser klarzumachen, wie eng die Hollywood-Filmindustrie mit dem staatlichen Interesse an Weltherrschaft verwoben ist, wobei weniger mit analytischer Tiefe und Distanz als mit aufdringlich-suggestiver Rhetorik und reichlich Ausrufezeichen argumentiert wird. Ein theoretisch-fundierter Ansatz ist nicht vorhanden. Stattdessen werden Fakten und Interpretation wild zusammengewürfelt.

Ärgerlich an dieser perfiden Strategie ist, daß vieles, was der Autor schreibt, ja durchaus zutrifft. Natürlich haben Kriegsfilme eine ideologische Funktion, und natürlich ist Hollywood daran interessiert, den amerikanischen Way of Life filmisch zu exportieren. Nur spricht der Autor dem amerikanischen Kino nicht nur eine kritisch-reflexive Komplexität ab, er verzichtet auch selbst auf eine. Auch scheinen die Massen, die sich die Filme anschauen, für ihn ohnehin nur willenlose Marionetten der US-Propaganda zu sein.

Richtig furchteinflößend wird es aber erst in den letzten beiden Kapiteln. Zuerst stellt der Autor gerade die deutsche Filmindustrie und das deutsche Volk als Hauptopfer der Hollywood-Machtübernahme dar, was sich zum einen in der »Zerschlagung« der künstlerisch und technisch so überlegenen Ufa nach dem Zweiten Weltkrieg und ästhetisch in den stereotypen Feindbildern der US-Kriegsfilme äußert. Dabei stellt er sich gelegentlich argumentativ selbst ein Bein, wenn er zum Beispiel behauptet, daß Valkyrie kein positives Bild eines deutschen Widerstandes gegen das Nazi-Regime biete, sondern lediglich allegorisch als Kommentar zu Bushs Amerika zu lesen sei, während Inglourious Basterds weniger metafilmische Untersuchung zum Leinwandnazi denn reaktionäre Antideutschpropaganda sei. Der Interpretation, die seiner Sichtweise genügt, ist stets Vorrang gegeben.

Zu guter Letzt wird dann zum Gegenangriff geblasen. Allen Ernstes wird dazu aufgefordert, in einer ähnlichen Weise, wie es Göbbels damals tat, doch gefälligst wieder verdammt deutsche Filme zu machen, Konterpropaganda, Heldengeschichten aus dem Krieg. Zur Not nimmt man halt ein paar europäische Verbündete mit ins Boot und inszeniert Kriegsepen von mittelalterlichen Schlachten gegen die Türken. Diese Türken, allen voran Fatih Akin, machen unserem schönen Deutschland ohnehin keine Ehre. Das einzig Gute nach diesem Schlußplädoyer für nationalistischen Leitkulturbrei, der dazu noch als progressiv verkauft wird, ist, daß man als Kritiker jetzt das Buch ein für allemal zuschlagen kann. Der gemeine Leser hat den unschätzbaren Vorteil, es gleich rechts liegen zu lassen. 2009-12-30 03:18

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