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Abenteuer Wirklichkeit – Die Filme von Andreas Dresen

David Lode: Abenteuer Wirklichkeit – Die Filme von Andreas Dresen. Marburg 2009. Schüren Verlag, 256 Seiten. 19,90 Euro.

Irgendwas fehlt…

Von Carsten Happe Ist es ein gutes oder schlechtes Zeichen, wenn man nach der Lektüre eines Buches zunächst einigermaßen ratlos vor seiner Rezension steht? Ähnlich wie sein Subjekt, die Filme des Regisseurs und Autors Andreas Dresen, ist David Lodes Monographie unprätentiös und sachlich, präzise und auch weitgehend unterhaltsam. Er hält sich nur so lange mit biographischem Background auf, wie es für die Analyse der Werke angemessen scheint, verrennt sich nicht in weit ausholende Interpretationen und schält vollends nachvollziehbar die entscheidenden Themen und Perspektiven der besprochenen Filme heraus. Ein umfassendes Interview mit Dresen wird an passenden Stellen immer wieder sinnvoll eingestreut, auch den Blick auf die (Karriere-)Entwicklung Dresens vernachlässigt Lode keineswegs – dennoch, irgendetwas fehlt dem Buch, und es mag seinem Sujet geschuldet sein, jedenfalls bekomme ich es nicht wirklich zu fassen, am ehesten könnte ich es als Erkenntnisgewinn beschreiben.

David Lode bleibt stets auf Augenhöhe mit den zu analysierenden Filmen, arbeitet sich geflissentlich an den Plots, Subtexten und Arbeitsweisen ab – die bei Dresens Filmen ein beachtliches Spektrum abdecken, was sein Œuvre so interessant macht – es stellt sich jedoch sowohl während der Lektüre als auch im Nachhinein nicht der Eindruck ein, das Buch transzendiere die konkreten Werke. Vielleicht liegt es an der starren Form, mit der Lode jeden Film behandelt: als Abfolge der Entstehungsgeschichte über die Synopsis hin zu den Erzählweisen und Themen. Vielleicht hängt es aber auch mit der Tatsache zusammen, daß ich vor kurzem ein Werkstattgespräch Andreas Dresens miterleben durfte, bei dem der Filmemacher anekdotenreich und charmant, voller genauer Beobachtungen und mit großer Offenheit über sein Leben und Werk referierte. Gegen diese Darstellungen aus erster Hand kann das Buch einfach nicht ankommen.

All jenen, die der Veranstaltung nicht beiwohnten, sei es als Einstieg in die filmische Welt Andreas Dresens aber durchaus empfohlen, allein die vorbildliche Biblio- und Filmographie bietet einen ergiebigen Ausgangspunkt für die weitere Auseinandersetzung mit einem der herausragenden Vertreter des deutschen Films. 2009-12-02 15:22

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