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Filmschnitt-Bekenntnisse

Béatrice Ottersbach, Thomas Schadt (Hg.): Filmschnitt-Bekenntnisse. Konstanz 2009. UVK Verlagsgesellschaft. 294 Seiten. 24,90 Euro.

Die geheimnisvolle Kunst

Von Oliver Baumgarten Die UVK-Reihe »Bekenntnisse«, in der die Herausgeber Béatrice Ottersbach und Thomas Schadt, künstlerischer Leiter der Filmakademie Baden-Württemberg, Filmschaffenden verschiedener Sparten Raum bieten, über ihren Beruf zu sprechen bzw. zu schreiben, ist nun erfreulicherweise mit Vertretern der Filmeditoren-Zunft fortgesetzt worden. In 18 Beiträgen versammelt der Band persönliche »Bekenntnisse« zu einer noch immer eher geheimnisvollen Kunst, über die gar nicht genug gesprochen werden kann. Denn schon nach zwei Beiträgen, die nicht einmal kuratiert, sondern schlicht alphabetisch angeordnet sind, wird bereits überdeutlich, wie vielschichtig, wie subjektiv und wie kontrovers die Materie sogar für Editoren selbst ist. Die Beschaffenheit der einzelnen Beiträge fällt dabei sehr unterschiedlich aus und reicht vom klassischen Interview über eigens verfaßte Aufsätze und Notizen bis hin zu sorgsamen Textmontagen von Stephan Krumbiegel oder auch Peter Przygodda, die – siehe Gerhard Schumms treffliche Gedanken dazu in Schnitt #56 (S.64f) – ihren Beruf praktisch textlich nachzuahmen suchen. Dies sind auch die Momente, in denen das Buch noch am ehesten an den 2006 erschienenen Gesprächsband mit Editoren, »Schnitte in Raum und Zeit« von Gabriele Voss, erinnert. Was dort jedoch inhaltlich sehr konzentriert und formal konsequent das konkret Dramaturgische des Berufs zu beleuchten versuchte, richtet sich in den »Bekenntnissen« immer wieder auch aufs Anekdotische. Das vermindert das Lesevergnügen, das die Ansichten der unterschiedlichen Generationen von Barbara Hennings (Hommage-Trägerin bei Film+ 09) bis zu Jörg Hauschild (Wolke 9) bereitet, allerdings ebenso wenig wie den allgemeinen Kenntnisgewinn der Lektüre.

Wie stets, wenn über den Beruf gesprochen wird, geht es irgendwann auch über seine Wahrnehmung von außen. Hier u.a. im Gespräch mit Monika Bednarz-Rauschenbach, die feststellt, daß Leute oft nicht wissen, was ein »Cutter« eigentlich macht. Ein paar Seiten später erklärt dann Bettina Böhler, im weiteren Verlauf auch Patricia Rommel, daß die Bezeichnung »Cutter« ja eigentlich auch in die Irre führt und auf einen eher technischen Beruf verweist. Daß sich der Band dann trotzdem durchgehend für diese alte Bezeichnung entscheidet und – weil die Editoren selber uneins sind über ihre bevorzugte Benennung – konsequent »Cutter« verwendet, ist allerdings schade. Mögen manche Kollegen die Bezeichnung auch ablehnen, so bleibt doch die Tatsache, daß »Filmeditor« viel präziser beschreibt, was den Beruf eigentlich ausmacht. Die inhaltliche Fülle des Buches von praxisorientierten ebenso wie filmtheoretischen und technischen Aspekten zum Thema Filmschnitt mindert das natürlich in keinster Weise. Wer sich mit Filmschnitt beschäftigen möchte und dafür Anregungen sucht, der ist mit diesem Band freilich bestens beraten.
2009-10-28 09:53

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #56.

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