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Die rechte und die linke Hand der Parodie

Christian Heger: Die rechte und die linke Hand der Parodie – Bud Spencer, Terence Hill und ihre Filme. Marburg 2009. Schüren Verlag. 224 Seiten. 24,90 Euro.

Eine filmwissenschaftliche Ehrenrettung

Von Gerd Naumann Die Erwartungen an ein Buch über die Filme des Duos Bud Spencer und Terence Hill sind schwerlich einschätzbar. Die einen bevorzugen einen Überblick über Leben und Werk, die anderen eine enzyklopädische Abhandlung ihrer Filme. Zwischen diese Stühle setzt sich Christian Heger, der sich mit »Die rechte und die linke Hand der Parodie« an einer bewußten Abgrenzung »von oberflächlichen Trivial-Infos und sensationsgieriger Star-Reportage« versucht. Dieser Spagat ist leider nur teilweise gelungen.

Bedauerlich ist die einseitige Fokussierung auf die Western Spencer-Hills, zumal der Untertitel »Bud Spencer, Terence Hill und ihre Filme« auf eine umfassendere Darstellung des Œuvres hinweist. Einzig die Plattfuß-Filme Bud Spencers werden etwas ausführlicher behandelt. Die beschränkte Auswahl verwundert umso mehr, als Spencers Plattfuß-Filme keine Parodien im eigentlichen Sinne sind. Hier wären Werke wie die Agentenfilmparodie Zwei bärenstarke Typen oder Terence Hills Superheldenkomödie Der Supercop wesentlich markantere Beispiele. Überhaupt nehmen die parodistischen Western des Prügelduos einen zwar wichtigen, aber gerade in späteren Jahren nicht allzu großen Raum ein. In dieser Hinsicht kann das Buch sicherlich einen Anfang der vom Autor Heger intendierten »filmwissenschaftlichen Ehrenrettung« setzen, ist aber dennoch nicht die beabsichtigte Ultima Ratio. Zumal das Buch für eine filmwissenschaftliche Abhandlung in manchen Passagen zu geschmäcklerisch ist. So etwa werden immer wieder qualitative Beurteilungen einzelner Filme in den Text mit eingestreut, die zweifelhaft scheinen. Der Autor bleibt eine Begründung seiner Einschätzungen schuldig, was vor allem hinsichtlich der Einschätzung des Films Nobody ist der Größte bedenklich scheint. Zwar erkennt Heger zweifellos den Stellenwert des Autorenregisseurs Damiano Damiani im zeitgenössischen italienischen Kino an, wirft dem Film gleichzeitig aber die unverkennbare Handschrift des Regisseurs vor. Diese Passage ist nur eine von vielen, in denen das Buch unentschlossen zwischen Fanbuch und wissenschaftlichem Anspruch schwankt.

Die Schwächen sind zugleich aber auch die Stärken des Bandes. Dem Sujet ist die unprätentiöse, in jeder Hinsicht eingängige Schreibweise Hegers zuträglich. Ein unbestreitbarer Pluspunkt des Buches ist die ausführliche Filmübersicht im Anhang. Hier werden alle Kino- und Fernseharbeiten Spencer-Hills nebst Inhalts- und Stabangaben aufgelistet. Wer sich für die Western des Duos interessiert, der findet hier eine wahre Goldgrube an Informationen. Wer aber eine kulturgeschichtliche Einordnung des Phänomens Spencer-Hill erwartet, der wird nur unzureichend bedient. Dennoch ist das Buch, gerade auch wegen des umfangreichen Anhangs, ein interessanter Beitrag zu einer hoffentlich auch in Deutschland entstehenden filmwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem populären Kino Europas. 2009-08-10 10:51

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