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Edgar G. Ulmer

Bernd Herzogenrath (Hg.): Edgar G. Ulmer. Essays on the King of the B’s. Jefferson 2009. McFarland & Co. 296 Seiten. 39,99,- Euro.

Im Schatten der Unbekanntheit

Von Franziska Schuster Obwohl Edgar G. Ulmer – »der produktivste und zugleich vergessenste Filmemacher des 20. Jahrhunderts« (Herzogenrath) – bereits zu Lebzeiten mehrmals (wieder-)entdeckt worden ist (in den 1950er Jahren von den französischen Regisseuren Truffaut, Godard und Tavernier, kurz vor seinem Tod 1972 von Bogdanovich und Scorsese), ist er auch heute noch so gut wie unbekannt. Zu unrecht, meint Bernd Herzogenrath, Herausgeber und Mitautor des Essaybandes »Edgar G. Ulmer. Essays on the King of the B’s«, und hat 18 internationale Journalisten, Film- und Literaturwissenschaftler antreten lassen, darunter auch Stefan Grissemann, Autor der 2008 erschienenen Ulmer-Biographie »Mann im Schatten« (fourierverlag Wiesbaden), um unter verschiedenen Gesichtspunkten das Außergewöhnliche im Werk des Filmemachers herauszuarbeiten. Die gesammelten Aufsätze bieten eine Vielzahl an Fragestellungen und Interpretationsansätzen, die zwar auf durchschnittlich zehn Seiten kaum zu tiefgreifenden wissenschaftlichen Erkenntnissen kommen können, dabei aber ein durchaus facettenreiches Bild des Regisseurs und seiner Filme vermitteln, das als gute Ausgangsbasis für weitere Arbeiten zum Thema dienen kann. Trotz ihrer Heterogenität ähneln sich die Einzelbeiträge dabei in ihrem Widerspruch gegen verbreitete Lesarten des Ulmerschen Œuvres, die im Rahmen der Auteur-Theorie zu einer romantischen Verklärung des Regisseurs als Künstlergenie neigen (als das er sich selbst gerne darstellte). Daß trotzdem im Zusammenhang mit seinen Filmen immer wieder der Begriff »atemberaubend« fällt, ist auf den »Ulmer-Touch« (Grissemann) zurückführen: Szenen, die wie aus heiterem Himmel auftauchen und überraschend, ja verstörend aus dem Zusammenhang nicht nur des jeweiligen Films, sondern aus dem gesamten filmhistorischen und -kulturellen Bezugsrahmen herausfallen.
Die Filmographie des 1904 im damals österreichisch-ungarischen Olmütz als Sohn einer jüdischen Familie geborenen und später in die USA emigrierten Ulmer umfaßt um die 50 Werke, die fast alle außerhalb des etablierten Studiosystems, mit geringem Budget und in wenigen Drehtagen entstanden sind. Stilistisch reicht die Bandbreite vom dokumentarisch geprägten Stummfilm über folkloristische jiddische Romanzen, Horror, Science Fiction und Film noir bis hin zum No-Budget-Z-Movie. Größere Bekanntheit erreichten unter anderen der 1930 entstandene Stummfilm Menschen am Sonntag (Co-Regie), der Horrorklassiker The Black Cat (1934, mit Bela Lugosi und Boris Karloff) sowie Detour (1945).
2009-05-07 10:45

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #54.

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