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Filmkonzepte 12

Thomas Koebner, Fabienne Liptay, Roman Mauer: Film-Konzepte 12. Wong Kar-wai. München 2008. edition text+kritik. 110 Seiten. 17,- Euro.

In the mood for Wong

Von Daniel Bickermann Langsam und eher tröpfchenweise füllt sich das deutsche Bücherregal der Wong Kar-wai-Liebhaber: Nach der Doppelmonographie zu Wong und Yimou durch Schnelle und Suchsland (s. Schnitt Nr. 50), die recht assoziativ durch Motiv- und Personenvergleiche wanderte, widmete sich nun auch die jüngste Ausgabe der immer wieder gern gelesenen »Film-Konzepte«-Reihe aus der unermüdlichen edition text+kritik der Stilikone aus Hongkong. Wieder ist es eine Essaysammlung zu verschiedenen Motiven, aber die Puzzleteile sind nicht nur neu und unterhaltsam, sondern fügen sich auch gut zu einem Ganzen zusammen: Neben auf der Hand liegenden Interpretationsansätzen zu den auffälligen Elementen seiner Filme (wie der stets präsenten Musikführung, Christopher Doyles Kameraarbeit oder der Raum- und Stadtkonstruktion in Hongkong und anderswo) finden sich auch spannende neue Zugänge beispielsweise aus der Rezeptionsanalyse, der Literaturwissenschaft oder gar der Malerei, um Melodramatik, Dramaturgie und Wirkung der Filme zu untersuchen. Selbst ein präzise beobachteter Artikel zu Wongs kulinarischer Metaphorik erscheint angesichts des jüngsten Blaubeerkuchenfilms nicht unangebracht (wobei auch in diesem Buch wieder bemerkenswert erscheint, wie viel Aufmerksamkeit My Blueberry Nights zuteil wird: Der Film entwickelt sich nach der Zurückweisung durch die Kritik langsam zum Liebling der Essayisten). Besonders hervorzuheben ist aber, daß Autoren wie Karsten Treber, Sebastian Lauritz oder Andreas Becker die bei Wong verlockende Oberflächenanalyse aus Schauspielführung und Kameraarbeit durchbrechen und einen langersehnten Blick hinter die technischen Kulissen riskieren. Hier wird endlich auch der Filmschnitt, der für den Plotimprovisateur Wong in der Etablierung von Zeit und Handlung eine so zentrale Rolle spielt, von allen Seiten beleuchtet. Und das sind dann die Tropfen, auf die man wie ein Verdurstender in der Wüste gewartet hat. 2009-05-22 11:41

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #54.

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