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Gesichter der DEFA

Sandra Bergemann: Gesichter der DEFA. Edition Braus. Heidelberg 2008. 208 Seiten. 39,90 Euro.

Bilder dreier Generationen

Von Oliver Baumgarten Die DEFA hatte immer zwei Gesichter: zum einen das ideologisch-erzieherische, das aufgrund angedrohter und auch durchgängig praktizierter DDR-staatlicher Zensur schrecklich flache politische Auftragsware entstehen ließ. Und zum anderen das Gesicht der großen Filmkunst, das herausragende Werke hervorbrachte, die das handwerklich-künstlerische Niveau des westdeutschen Films zumeist mühelos zu überflügeln vermochte. Diese beiden bis heute prägenden Gesichter der DEFA allerdings meint der imposante Bildband nicht, wenn er in großen Lettern »Gesichter der DEFA« ankündigt. Vielmehr geht es um jene Gesichter, die das Bild der DEFA dank ihres Berufs bis heute nach außen geprägt haben: die Schauspieler.

Die Fotographin Sandra Bergemann hat 40 prägende Vertreter ostdeutscher Schauspielkunst besucht und sie je einmal nah und einmal inmitten ihrer Lebensumgebung in konturreiches Schwarzweiß gefaßt. Einzelne Standfotos aus DEFA-Filmen sowie je ein kurzer eigener Textbeitrag (meist Auszüge aus Interviews) ergänzen die einzelnen Kapitel. Insbesondere diese kurzen textlichen Stimmen der Akteure geben dem gesamten Projekt im Zusammenspiel mit den Fotos erst die eigentliche Würze. Um nur ein Beispiel zu nennen: eine strahlende Aufnahme der lachenden Renate Krößner, jener Hauptdarstellerin aus Konrad Wolfs großartigem Solo Sunny, daneben ihr Textbeitrag: »Ich hatte einen Silbernen Bären, den ersten im Osten überhaupt; aber keine Rollen mehr. Eine West-Ehrung im Osten war suspekt. Mit anderen verbotenen Arbeiten am Theater und im Film sollte ich kein Gesicht der DEFA mehr sein. Ich musste gehen.«

Momente wie diese, die sich hinter dem Hochglanz der Fotos verbergen, finden sich einige in Bergemanns Projekt, weshalb »Gesichter der DEFA« durchaus mehr ist als nur ein weiterer Fotobandwälzer, der sich hübsch in der heimischen Regalwand macht. Die Auswahl der porträtierten Schauspieler erstreckt sich über drei Generationen (etwa Erwin Geschonneck, Katrin Saß und Jörg Schüttauf), was sich prinzipiell als sehr spannend erweist, auch wenn manchesmal die Vermutung naheliegt, erlangte Westprominenz sei von Vorteil gewesen (dabei muß man in diesem Zusammenhang aber fairerweise die erstaunliche Entscheidung weitergeben, auf die Mitwirkung etwa eines der prominentesten Gesichter, nämlich Manfred Krug, verzichtet zu haben). Im Anhang des Bandes übrigens finden sich zu jedem der 40 Darsteller eine Kurzbio- und -filmographie – ein Service, der den Nutzen des Buches äußerst sinnvoll erweitert.

Zum Abschluß sei noch auf die zwei einleitenden Essays im komplett zweisprachig erschienenen Buch (Deutsch/Englisch) hingewiesen: Neben einer recht aufschlussreichen ästhetischen Einordnung der Bergemannschen Fotographien aus Sicht der Kunstwissenschaft (von Sherin Najjar), richtet der zweite Essay seinen Blick eher inhaltlich auf das Projekt und damit auch auf die DEFA. Die Tatsache, daß dieser von einer in den USA ansässigen Filmwissenschaftlerin (Reinhild Steingröver) verfaßt wurde, erstaunt zunächst, findet seine Entsprechung dann aber in dem irgendwie defensiven Ton, den die Verfasserin zum Gegenstand findet – dies aufgrund der seltsamen Distanz die einzig unklare Entscheidung einer ansonsten gelungenen Publikation. 2009-02-26 16:44

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