— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Die deutsche Filmförderung

Oliver Castendyk: Die deutsche Filmförderung. Eine Evaluation. Konstanz 2008. UVK Medien. 216 Seiten. 22,90 Euro.

Was ist Erfolg?

Von Rüdiger Hillmer In seiner Funktion als Direktor des Erich Pommer Instituts ist der Jurist Oliver Castendyk ein versierter Kenner des deutschen Filmfördersystems. Nun legt er auf Basis akribisch ausgewerteter Daten nicht nur eine Evaluation dessen vor, sondern liefert zugleich eine präzise, zusammenfassende Darstellung, die das Buch zu einer guten Einführung machen.

Nicht ohne Grund stellt er der eigentlichen Auswertung seines Zahlenmaterials einen historischen Abriß über die direkte und indirekte staatliche Finanzierung dieses Wirtschaftszweiges in Deutschland voran. Immer wieder verweist er dabei auf die untrennbare Dualität dieser Subventionen als (vorrangige) Wirtschaftsförderung und (nebenrangige) Kulturförderung. Dabei setzt er den geläufigen Vorurteilen über Sinn und Unsinn der Filmförderung den Versuch entgegen, mit harten Fakten deren Effektivität und Effizienz zu messen. Wie erfolgreich ist der deutsche Film eigentlich? Und wo mißt man diesen Erfolg? Ist der Einfluß der Fernsehanstalten dem deutschen Kinofilm tatsächlich so abträglich? Wie viele deutsche Filme verträgt der Kinomarkt?

An diesen Fragestellungen läßt sich erkennen, wie differenziert Castendyk nicht nur die »Förderlandschaft Deutschland«, sondern die gegenwärtige Gesamtsituation deutscher Filme in der Kinoauswertung untersucht. Im Zentrum seines analytischen Interesses stehen dabei Wirkung und Wirkungsgrad der nationalen und regionalen Förderungen vor allem im Laufe der letzten zehn Jahre. Manche seiner zahlreichen Tabellen mögen dabei in ihrer Systematik mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten sollen. Manchmal schleicht sich auch eine unbelegte, weil aufgrund der lückenhaften Datenbasis unbelegbare Behauptung in seine Argumentation ein.Insgesamt entsteht aber ein anschauliches Bild, mit dem Castendyk am Ende dem einen oder anderen Vorurteil bedenkliche Kratzer beigebracht haben dürfte. Seine Schlußfolgerungen sind demgegenüber eher vorsichtig formuliert und weniger pointiert als die zum Teil insbesondere für einige regionale Förderinstitutionen wenig schmeichelhaften Ergebnisse erwarten ließen. So spricht er sich für eine bessere Finanzierung der Drehbuch- und Projektentwicklung aus und unterstreicht die Bedeutung der Professionalisierung gerade dieses Bereichs als Grundlage für Filme, die auch bei den Zuschauern erfolgreich sein sollen. Den Schluß, daß Produzenten, die ihre Finanzierungen zum überwiegenden Teil durch die diversen Filmförderungen absichern können, den Erfolg ihres Films an der Kinokasse nicht gerade suchen, läßt er hingegen seine Leser selber ziehen. Und schon landet man wieder beim Spannungsfeld zwischen Wirtschafts- und Kulturförderung und der Frage: Was eigentlich ist Erfolg? 2009-02-09 14:10

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #53.

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap