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Film und Rhythmus

Dirk Schreier: Film und Rhythmus. Boizenburg 2008. Verlag Werner Hülsbusch. 84 Seiten. 18,90 Euro.

Der montierte Rhythmus

Von Oliver Baumgarten Unter dem Titel »Der richtige Rhythmus« hatten wir als Vorabdruck in Schnitt Nr. 51 eine extreme Kurzfassung von Dirk Schreiers spannender Abhandlung publiziert. Jetzt endlich liegt im Verlag Werner Hülsbusch die komplette Fassung des Textes vor, in der sich der Absolvent des Montagestudiums an der HFF »Konrad Wolf« einem grundlegenden Begriff annähert, der in Zusammenhang mit »Schnitt« und »Montage« immer wieder bemüht wird: der Rhythmus.

Schnell macht Schreier im ersten Teil des Bandes beim Versuch einer Definition des Begriffs »Rhythmus« klar, daß dieser aufgrund seiner Herkunft aus der Musik im Grunde nur sehr unzureichend dazu taugt, ein filmisches Phänomen zu beschreiben. Und so führt Dirk Schreier mit der Metrik erstmals einen zweiten, einen übergeordneten Begriff ein, der zwar ebenfalls aus der Musik stammt, der dafür aber als Zusatz umso hilfreicher ist, den Komplex des »Rhythmischen« in Bezug auf das Filmische zu begreifen. Mithilfe dieses Begriffspaars nähert er sich über einschlägige Beispiele aus der Filmgeschichte, von Hans Richter über Sergej M. Eisenstein bis hin zu Andrej Tarkowskij und James Benning, seinem dann zentralen Thema: dem Einfluß der Montage auf den filmischen Rhythmus.

Bei aller gebotenen Wissenschaftlichkeit in Schreiers Argumentation bleibt freilich nach wie vor das stark subjektive Moment, wenn es darum geht, eine Montage hinsichtlich ihrer metrisch-rhythmischen Qualität zu untersuchen. Daraus macht Dirk Schreier aber auch gar keinen Hehl, im Gegenteil: Von Beginn an hält er seine Untersuchung in Ton und Herangehensweise angenehm persönlich. Ausgehend von eigenen Arbeiten und Erfahrungen geht er so dem Wesen des filmischen Rhythmus auf den Grund, sucht nach der Herkunft von Impulsen, die einen Editor veranlassen, dort und nirgendwo anders einen Schnitt zu setzen, und stellt natürlich auch die Frage nach dem »Richtig« und »Falsch« einer solchen Entscheidung.

»Film und Rhythmus« ist ein sehr lesenswerter Band zu einem Themenkomplex, der nicht gerade vor intelligenten Beiträgen strotzt, sodaß, wer sich mit Montage beschäftigt, nicht auf ihn verzichten sollte. Neben Schreiers gut verständlicher Schreibe macht auch der sehr ansprechende Satz des schmalen Bändchens Lust, sich einzulassen auf eine spezifische Reflexion über das Zentrum des Filmemachens. 2009-02-02 12:35

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #53.

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