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Filmproduktion

Eckhard Wendling: Filmproduktion. Eine Einführung in die Produktionsleitung. Konstanz 2008. UVK Verlagsgesellschaft. 218 S. 17,90 Euro.

Produktionsleitung kompakt

Von Jens Kiefer Ohne Frage lesen nur die wenigsten Menschen Fachbücher aufgrund deren Unterhaltungswerts. Und so müssen sich Fachbücher die Frage gefallen lassen, für wen sie geschrieben sind: Adressieren sie ein allgemeines Publikum oder ein Fachpublikum oder in diesem Fall bereits berufstätige Produzenten oder eher Studierende der Filmproduktion? Eckhard Wendling vermeidet es, sein Buch spezifisch als studienbegleitendes Buch auszuweisen und Studierende explizit anzusprechen. Dennoch wird deutlich, daß es vor allem diese Leserschaft ist, die den höchsten Informationswert aus seinem Buch ziehen kann, da der bereits etablierte Produzent mit den meisten thematisierten Aspekten vertraut sein dürfte. Aber auch für diejenigen, die bisher nur kleinere Filmprojekte gestemmt haben, bietet das Buch Anhaltspunkte für die Organisation größerer Projekte.

Der Fokus von »Filmproduktion. Eine Einführung in die Produktionsleitung« liegt deutlich auf Produktionen, die einer Kostenkontrolle und der Organisation eines größeren Teams bedürfen. Seitenblicke auf die Produktion von Kurzfilmen oder No-Budget-Produktionen finden sich daher keine – ebenso wie der Dokumentar- und Animationsfilm ausgespart sind – ohne daß dies dem Buch als Manko anzulasten ist. Denn dem Anspruch, alle relevanten Aspekte einer Filmproduktion abzudecken, wird das Buch im Großen und Ganzen gerecht. Und Themen wie die Planung von Drehtagen oder die Abschätzung von Drehzeit pro Bild betreffen natürlich genauso die Planung von No-Budget-Produktionen, d.h. auch unabhängige Filmemacher, die selbständig ohne ein größeres Team oder Förderung drehen, können für ihre Arbeit relevante Hilfestellungen aus dem Buch ziehen. Einzig der Aspekt der Finanzierung und teilweise auch der Auswertung hätte eine umfangreichere Darstellung verdient. Zum einen wäre es interessant gewesen, mehr über die Kinoauswertung zu erfahren, wenn diese auch für die Produzenten meist unerheblich ist, da sie in größerem Maße die Verleiher betrifft. Zum andern wären Ausführungen zu internationalen Koproduktionen erhellend gewesen. Zwar werden unterschiedliche Kalkulationsgepflogenheiten und internationale Fördermöglichkeiten wie Eurimages oder das Media Programm der EU kurz erwähnt, die Bedingungen einer Förderung oder rechtliche Gesichtspunkte der Vertragsschließung internationaler Partner werden jedoch ausgespart. Gerade hier hätte bei Nachwuchsproduzenten sicherlich ein großes Erkenntnisinteresse gelegen.

Sehr ausführlich behandelt wird hingegen die Drehplanung vom Drehbuchauszug über den Einsatz von Software bis zur Tagesdisposition, auch wenn dem Laien bei der Beschreibung eines Stäbchenplans vielleicht nicht ganz deutlich wird, wie ein solcher tatsächlich aussieht. Auch für die Kalkulation bietet der Autor äußerst hilfreiche Hinweise, in dem er Vergleichswerte für Gagen und Verleihmieten bietet oder auf Unterschiede bei den kalkulierbaren Kosten geförderter Kinoproduktionen und Auftragsarbeiten für Fernsehsender eingeht. Hier liegt sicherlich eine Stärke der Publikation.

Wendlings Buch ist gut nachvollziehbar geschrieben und orientiert sich in seiner Gliederung an den einzelnen Phasen der Filmproduktion, die in einem eigenen Kapitel dargestellt werden. Die weiteren Kapitel widmen sich der Projektorganisation, der Kalkulation und der Fortschrittskontrolle. Kurze Kapitel zur Marktsituation und zum Zusammenhang von Budget und Qualität kontextualisieren die Beschreibung des Produktionskomplexes. Ein Glossar erklärt nochmals wichtige Begriffe wie Kopierer/Nichtkopierer, EDL, Completion Board oder Errors and Omission. Insgesamt zeichnet sich »Filmproduktion. Eine Einführung in die Produktionsleitung« durch einen hohen Informationswert aus und kann die wichtigsten Aspekte des Produktionsalltags verständlich aufarbeiten. Gleichzeitig macht Wendlings Buch deutlich, daß wenn die Arbeit des Produzenten auch kreative oder soziale Aspekte beinhaltet, Organisieren oder »trockenes« Kalkulieren mit Software wie Sesam oder dem Hantieren mit Excel-Tabellen bleiben ein wesentlicher Teil des Arbeitsalltages in der Filmproduktion. 2008-12-04 11:51

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