— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Kinomuseum

Mike Sperlinger, Ian White (Hg.): Kinomuseum. Towards an Artist’s Cinema. Köln 2008. Verlag Walther König. 175 Seiten. 19,80 Euro.

Künstlerische Herausforderungen

Von Christoph Schulz Das Verhältnis von bewegtem Bild und statischen Bildformen prägt nicht nur seit mittlerweile vielen Jahren eine künstlerische Praxis, in der bildende Künstler und Filmregisseure mit ihren Arbeiten zunehmend die Grenzen ihrer einstmals angestammten Disziplinen ganz selbstverständlich hinter sich lassen, sondern auch die Diskussion zwischen Kunstgeschichte und Filmwissenschaft. Wobei sich eine diesbezüglich intellektuell beweglichere »Medienwissenschaft« zunehmend als Schnittstelle begreift, die Kunstwerke mit bewegten Bildern nicht mehr automatisch dem heutzutage fast historisch zu nennenden Phänomen »Film« zuschreibt, sondern mit offeneren theoretischen Konzepten zwischen den etablierten Disziplinen agiert und so dem anhaltenden Crossover zwischen Kunst und Kino, nicht zuletzt auch der Janusköpfigkeit der Werke selbst, Rechnung trägt. Die Diskussion bezieht sich dabei vor allem auch auf die impliziten Konsequenzen, die sich aus den jeweils assoziierten Kontexten, nicht zuletzt den institutionellen und architektonischen Rahmenbedingungen ergeben, deren Einfluß auf die Rezeption der Arbeiten ohne Zweifel fundamental ist. Gerade erst ist das Kunsthistorische Institut der Uni Köln mit einer Vortragsreihe zur Installationsästhetik und zum filmischen Raum in der zeitgenössischen Kunst in Erscheinung getreten, das von zahlreichen Screenings begleitet und mit einer Tagung im Kölnischen Kunstverein beschlossen wurde (»Offscreen/Onscreen«, 21. Februar bis 6. Juni 2008).

Auch die Oberhausener Kurzfilmtage haben sich im letzten Jahr mit einer von Ian White kuratierten Sektion des Festivals an dieser Diskussion beteiligt, zu der jetzt der Begleitband erschienen ist: »Kinomuseum – Towards an Artists’ Cinema«. Programmatisch galt es zu erörtern, welche Herausforderungen Künstlerfilme und Videos an die genannten Institutionen stellen, welche Konsequenzen sie sowohl dem Kino als auch dem Museum abverlangen, und wie beide Institutionen mit filmischen Werken der bildenden Kunst verfahren. Die Herausgeber Mike Sperlinger und Ian White haben in dem Band die unterschiedlichen Aktivitäten dieses Themenschwerpunktes aus dem Jahr 2007 sorgfältig dokumentiert, darunter auch die Filmprogramme, Performances, Vorträge und Diskussionsrunden, und diese sinnvoll durch einschlägige Beiträge ergänzt. So ist der Band ein sinnvoller Baustein für die Bibliotheken geworden, deren inhaltlicher Schwerpunkt auf diesem nach wie vor rege geführten Diskurs liegt. 2008-08-11 11:52

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #51.

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap