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Wiederkehr und Abschied

Herbert Fux: Wiederkehr und Abschied. Mein Leben als Schauspieler, Bürgerrechtler und Grünrebell. Salzburg 2008. Otto Müller Verlag. 224 Seiten. 20 Euro.

Der Grünrebell

Von Gerd Naumann Herbert Fux läßt sich mit Recht als eines der bekanntesten Gesichter des europäischen Kinos und Fernsehfilms bezeichnen. Als er im März 2007, kurz vor dem achtzigsten Geburtstag, verstarb, verlor Europa nicht nur einen der charismatischsten Schauspieler, sondern auch einen vielseitig interessierten, streitbaren Kopf. Die Autobiographie trägt den Zusatz »Mein Leben als Schauspieler, Bürgerrechtler und Grünrebell« und sollte, dem Willen des Schauspielers Rechnung tragend, erst posthum erscheinen.

Nach der Lektüre des Buchs wird bewußt, warum ein solcher Band erst nach dem Tode erscheinen konnte. »Wiederkehr und Abschied« ist nicht nur eine berührende autobiographische Erzählung, sondern auch eine bittere Abrechung mit einer in weiten Teilen Österreichs verbreiteten Korruption. Herbert Fux war nicht nur Schauspieler, sondern auch ein überzeugter Verfechter der Demokratie. Sein politisches Engagement ging auf ein prägendes Gespräch mit dem Kulturaktiven Alfred Winter zurück. Dieser schilderte ihm, »welche Zerstörungen in der Salzburger Altstadt schon erfolgt seien und welche unmittelbar bevorstünden«. Der Erhalt des baulichen Erbes Salzburgs sollte von da an das Leben des Schauspielers bestimmen. Ende der 1970er Jahre zog er über eine Bürgerliste in den Gemeinderat Salzburgs ein, wo er in den folgenden Jahren vieles bewegen und noch mehr erleben sollte. Österreichs politisches System war durch die »Proporzeinheitspartei aus SPÖ, ÖVP und FPÖ« gelähmt. Immer wieder versuchte Fux, Mißstände und Korruption aufzudecken, was ihm wiederholte gerichtliche Auseinandersetzungen einbrachte. »Dank guter Vorbereitung«, so schreibt er, »und genauer Recherchen verlor ich keinen davon.«

Im Volk aber ist er populär. So ist es auch seinem Engagement zu verdanken, daß die unabhängige Bürgerliste 1982 fast 18% der Wählerstimmen gewinnen kann. Aber immer wieder kommt es zu politischen Gängeleien, was die Mitglieder der Bürgerliste auch privat ins Abseits zu stellen droht. Einen Höhepunkt undemokratischer staatlicher Interventionen erlebt Fux 1983 kurz vor der Nationalratswahl. Da die österreichischen Grünen, für die Fux sich vehement engagiert, auf fast 8% der Wählerstimmen hoffen können, kommt es zu einer Hetzkampagne der parteinahen Zeitschrift »Basta«. Fux wird unterstellt, er habe sich während eines Interviews »an eine Journalistin herangemacht«. Diese unbewiesene Unterstellung findet durch die »Basta«-Auflage von 100.000 Exemplaren schnell Verbreitung. Weitere ähnlich gelagerte Angriffe sollen folgen. »In mir keimten finstere Erinnerungen an die NS-Zeit auf. Ich galt als Folge der verleumderischen Propaganda nun allerorts als Unperson«, was die Chance der Grünen auf Einzug ins Parlament, auch durch parteiinterne Querelen, vorerst verhinderte. Fux jedoch läßt sich nicht beirren und setzt das politische Engagement fort. Schließlich wird er 1986 bis 1988 und 1989 bis 1990 doch Abgeordneter des Nationalrats der Grünen Alternative.

Diese Vorgänge stehen exemplarisch für ein Buch, das mit scharfer Deutlichkeit die auch heute noch virulenten Mißstände in der politischen Kultur Österreichs anprangert. Jedoch gibt dieses Buch nicht nur einen Einblick in die politische Denkweise des Schauspielers. In einem biographischen Teil finden sich nicht nur Erinnerungen an die deutsche Okkupation Österreichs während des Zweiten Weltkrieges, sondern auch heitere Episoden verschiedener Dreharbeiten. So hatte ihn einst Federico Fellini für den 1972 veröffentlichten Fellinis Roma engagiert. Fux wurde für drei Wochen bezahlt, wartete aber täglich geduldig auf seinen Einsatz. Der Grund: Fellini filmte »die später so berühmte Szene auf der Autobahn«. Wochenlang wurde jeden Abend das Filmequipment aufgebaut, nur um den richtigen Sonnenuntergang abzuwarten. Bis dieser endlich im Kasten war, waren die drei Wochen vorbei, und Fux mußte anderen Verpflichtungen nachgehen.

Berührend ist der Abschluß des Buches. Gezeichnet von einer schweren Krankheit entschließt sich Fux zur Sterbehilfe durch die Dignitas. Seiner Frau Edith verrät er lange Zeit nichts von dem Entschluß. Er bittet die zwei Betreuerinnen, die letzten Tage seines Lebens zu protokollieren. Wie die beiden Sterbebegleiterinnen diesen letzten Weg dokumentieren, ist anrührend und zugleich auch ein Novum im Bereich der autobiographischen Literatur. 2008-06-09 12:09

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