— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Luis Buñuel

Deutsche Kinemathek (Hrsg.): Luis Buñuel. Essays, Daten, Dokumente. Berlin 2008. Bertz + Fischer Cerlag. 184 Seiten. 22,90 Euro.

Einführung ins Werk Buñuels

Von Sven Jachmann Die Retrospektive der Berlinale 2008 war Luis Buñuel gewidmet, und wie zuvor erscheint der dazugehörige Katalog bei Bertz + Fischer. Die Kaprizierung auf die Autorenschaft sollte da angesichts des Anlasses nicht weiter verwundern und fällt auch nicht wirklich negativ ins Gewicht. Denn immerhin bietet das schön gestaltete, großformatige Buch eine anständige Reaktualisierung eines längst kanonisierten Regisseurs, zu dem seit Jahren, genauer seit der seligen Zeit der Filmreihe des Hanser Verlags, im deutschsprachigen Raum keine anständige Monographie vorliegt. In diesem Sinne schließt der vorliegende Band zwar keine Lücke, aber er läßt schmerzlich ein Bewußtsein ihrer Existenz entstehen.

Denn neben dem Vorwort und den vier Essays, die sich mit Motiven im Werk Buñuels und dem Skandalfall Viridiana eingehend beschäftigen, bilden den Kern des Buchs – das läßt sich bereits quantitativ an den über 100 Seiten erkennen – die regelrecht ausladend vor Material berstenden Filmo- und Bibliographien. Jeder Film wurde mit mehreren zeitgenössischen Kritiken versehen, die zwar größtenteils gekürzt vorliegen, in ihrer Gesamtheit jedoch sehr aufschlußreich den Diskurs um Buñuel, seine Wandlung vom verfemten zum arrivierten Namen nachzeichnen können und ganz beiläufig auch in den Wandel der ästhetischen Positionen der Filmkritik Einblick gewähren. Die Bibliographie kündet von intensiver Fleißarbeit und erleichtert, nicht zuletzt aufgrund ihrer chronologischen Ausrichtung, zukünftige Recherchen enorm.

Ob die Edition allerdings den Startschuß für zukünftige Auseinandersetzungen mit Buñuels Werk eröffnet, bleibt abzuwarten. Mit Blick auf die Verlagsankündigungen ist vorerst mit keiner größeren Aufarbeitung zu rechnen, und 80 Seiten Essaytext, in denen doch vornehmlich bekannte Standards, wenn auch in Gänze lesenswert, neu aufbereitet werden, können dann doch nur als Spur verstanden werden, die den Weg zur Entschlüsselung des Buñuelschen Œuvres weist. Wo sich Material finden läßt, ist ja nun bekannt. Ansonsten bietet der Band jedoch für jeden Neuling eine zufriedenstellende Einführung, und auch daran hat es bisher schließlich gemangelt. 2008-05-26 13:26

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap