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Drehbuchautoren-Bekenntnisse

Beatrice Ottersbach, Thomas Schadt (Hg.): Drehbuchautoren-Bekenntnisse. Konstanz 2007. UVK Verlagsgesellschaft. 181 Seiten. 17,90 Euro.

Berufsporträts

Von Kyra Scheurer Nach den Regisseuren und den Schauspielern bekennen nun auch die Drehbuchautoren in der UVK-Reihe persönlicher Texte aus dem Inneren eines filmkreativen Berufsstands. Wie dem Vorwort zu entnehmen ist, war es nicht einfach, »bekennende« Autoren zu finden – dementsprechend fehlen einige Namen, die man sich gewünscht hätte. Auffällig viele an Filmhochschulen lehrende Autoren äußern sich, was kein Nachteil sein muß und besonders für diejenigen, die mit dem Beruf des Drehbuchautors und den dementsprechenden Ausbildungsinstitutionen liebäugeln, von Interesse sein wird. Leider ist so das Spektrum der in diesem Kompendium über das Schreiben Schreibenden weitgehend auf anderthalb Autorengenerationen beschränkt und die nostalgische Beschwörung des Âge d’or der öffentlich-rechtlichen Alleinherrschaft gelegentlich ermüdend. Dennoch: Auch wenn diejenigen, die sich im Drehbuchgeschäft auskennen, die Argumente der »Kunst vs. Handwerk-Debatte«, den Streit um die Literarizität des Drehbuchs kennen, die Anekdoten von nicht zu Premieren eingeladenen Autoren auswendig herbeten können und das Statusgerangel im Dschungel der Development Hell vielleicht schon selbst durchlitten haben – diese Sammlung persönlicher Statements ist weit mehr als eine Schrift gewordene Selbsthilfegruppe. Zwar pendelt der Grundtenor tatsächlich zwischen bisweilen nerviger Larmoyanz und Begeisterung für die eigene Berufung, aber die Texte sind durchweg selbstironisch und amüsant – wie z.B. der zwei Buchseiten umfassende letzte Satz von Frank Göhre, warum er nicht mehr als Drehbuchautor arbeitet – oder aber auch anregend und informativ zu lesen. Natürlich, denn hier schreiben diejenigen, die es können und die davon leben… Aber über alle Stilfragen hinaus finden sich besonders im Text von Michael Gutmann und dem sehr bereichernden Interview mit Ulrich Limmer bemerkenswerte Ausführungen: zum Unterschied im Schreiben für Kino und TV, zur Möglichkeit des Autoren, zum Produzenten zu werden, zum Schreiben im Team, zur Serie als wertvolle Schreibschule und dem interessanten Randgebiet der Romanautoren im Filmbusiness. Und so wertvoll insgesamt auch die persönlichen Einblicke in Arbeitstechniken, Umgang mit Redakteuren und Deadlines sowie die historische Dimension des Schreibens für den Film sind, es bleiben eher die unerwarteten »Fundstücke« in nahezu allen Texten, die dieses Buch wertvoll machen – und die für jeden Leser andere sein – werden. In meinem Fall waren es kurze Randnotizen zur Zusammenarbeit von Dramaturgen und Autoren und zum Verhältnis des Drehbuchschreibens zum Feld der Filmmontage. 2008-04-21 14:27

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #49.

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