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Kolportage, Kitsch und Können

Michael Wedel: Kolportage, Kitsch und Können – Das Kino des Richard Eichberg. Filmblatt, Band 5. CineGraph Babelsberg. Berlin 2007. 146 Seiten. 13,- Euro.

Würdigung eines Kitschiers

Von Oliver Baumgarten »Ein Eichberg-Film. Damit wäre die Kritik eigentlich schon erschöpft, ein Mehr wäre Pleonasmus.« Schon im Jahre 1917 resignierte die Filmkritik ob der klaren, markenhafte Züge annehmenden Stilbildung von Produzent und Regisseur Richard Eichberg. Der Titel »Kolportage, Kitsch und Können« der nun vorliegenden Monographie über Eichberg beschreibt diesen Stil bereits umfassend: Seine handwerklich stets hervorragenden Filme befinden sich kontinuierlich auf der Suche nach der Attraktion, dem besonderen Schauwert, und erreichen dies durch Aktion, Exotik, Erotik, überbordende Ausstattung, halbseidene Sensationsgeschichten und natürlich dem Einsatz von Stars, die sich Eichberg übrigens praktischerweise vornehmlich selbst erschuf. Zu seinen noch heute bekanntesten Filmen zählen – nicht zuletzt auch dank deren Remakes – Der Greifer (1930), Der Tiger von Eschnapur (1937) und Das indische Grabmal (1937).

Band 5 der Filmblatt-Schriften widmet Michael Wedel mit Richard Eichberg also einer großen Persönlichkeit der deutschen Filmunterhaltung und damit ganz grundlegend auch Aspekten des Films, die im wissenschaftlichen Diskurs in Deutschland nach wie vor eher mit Samthandschuhen angefaßt werden. Schon Mitte der 1920er Jahre, so führt Wedel aus, wurde Eichberg ob seiner »Geschäftsfilme« als »Kitschier« verrufen, was übrigens publikumsträchtigen Erfolgsregisseuren in Deutschland auch heute noch passieren könnte – wäre denn dieser schöne Begriff noch gebräuchlich. Dabei sind Eichbergs Werke von unzweifelhaft filmischer Qualität, nur orientieren sie sich am Geschmack des Publikums, was sie aus heutiger Sicht wiederum zu spannenden sozio-kulturellen Zeugnissen macht. In einem ausführlichen Aufsatz zeichnet Wedel ein klares Bild von Leben und Werk Eichbergs nach, den Stationen seines Wirkens zwischen 1915 und 1950 folgend. Der zweite Teil des Bandes versammelt eine Reihe von äußerst spannenden Selbstzeugnissen Eichbergs aus unterschiedlichen Quellen. Am Ende schließlich rundet eine von CineGraph-Veröffentlichungen gewohnt hervorragende Filmographie diesen empfehlenswerten Blick in den Erfolgsfilm des frühen deutschen Kinos ab. 2007-11-05 10:48

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