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Die Pest der Phantasmen

Slavoj Zizek: Die Pest der Phantasmen. Die Effizienz des Phantasmatischen in den neuen Medien. Wien 1998. Passagen Verlag. 216 Seiten
Von hel Jene Pest sind konkrete Bilder, die unsere Vorstellung heimsuchen und unser Denken vernebeln. Während die Psychoanalyse Lacans für Analysen des Zuschauerdispositivs und des Blicks etabliert ist, setzt Zizek diese in seinen Studien zur Populärkultur breiter ein. Nun beschäftigt er sich mit VR und Cyberspace (CS).

Er zeigt, daß ein phantasmatischer Hintergrund Ideologie (=Phantasie) stützt und auch CS, VR und die in Folge kritisierten Theorien beherrscht. Zizek nimmt CS und VR aufs Korn, die Utopie von der Dezentralisierung des Subjekts. Argumentative Stringenz erhält der Text allerdings durch viele Beispiele, die mehr der Filmgeschichte als VR und CS entlehnt sind.
Das mangelhafte Beispieldesign gerät Cineasten zum Vorteil. Zizek liefert neben zahlreichen Analysen von Filmszenen einen ausgedehnten Appendix zum Sexualakt im Kino.

Zizek reflektiert über die drei cinematographischen Präsentationsmodi von Sex: Komik, Perversion und pathetische Ekstase mit den drei Haltungen des Subjekts zum Exzeß/Genießen, die Lacan explizierte. Zwanghafte Distanz im Fall der Komik, Schutz durch einen phantasmatischen Schirm, der das Reale ausblendet bei pathetischer Ekstase und Symbolisierung als Fleck, der Realität untergräbt, im Fall von Perversion entsprechen außerdem den drei, nach Nationen geordneten Toilettentypen, die Zizek in seiner ideologiekritischen Einleitung benutzt, um zu zeigen, wie sich aus dem Umgang mit Exzeß Ideologien ableiten lassen. Brillant ist, wie Zizek die direkte Manipulation der Phantasie anhand der Szene aus »Wild at Heart« exemplifiziert, in der Willem Dafoe Laura Dern sexuell belästigt.

Hier kommt man dem Realen am nächsten, obwohl bzw. weil der Akt selbst ausfällt. 1970-01-01 01:00

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