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Volker Schlöndorff und seine Filme

Thilo Wydra: Volker Schlöndorff und seine Filme. München 1998. Heyne Verlag. 317 Seiten
Von Oliver Baumgarten Volker Schlöndorff ist einer der wenigen aus der legendären Autorenfilmer-Zunft, die bis heute im Kino künstlerisch überlebten. Dies mag der Grund dafür sein, daß er mit jener filmischen Bewegung immer wieder identifiziert wird, obwohl er sich z.B. nie in der Oberhausener Gruppe engagierte. Während diese nämlich ihr Manifest zu Papier brachte, sammelte Schlöndorff in Frankreich unter Legenden wie Louis Malle, Alain Resnais oder Jean-Pierre Melville als Regieassistent prägende Erfahrungen. Beide Einflüsse, kombiniert mit biographischen Bezügen, setzt Autor Thilo Wydra in den Filmanalysen seiner Publikation geschickt in Beziehung. Dies erweist sich zumindest stilistisch nicht immer als einfach und belegt Wydras These, Schlöndorff sei durch den Verzicht auf »manierierte Mätzchen« oder »prätentiöse Kunstgriffe« ein Markenzeichen als »stilistischer Asket« zuzusprechen, der die Form dem Inhalt unterordne.

Den umfassenden Einzelanalysen der Filme stellt Wydra einen Drehbericht am Set von »Der Unhold« voran, der Einblicke in Schlöndorffs Arbeitsweise und dessen Regiepersönlichkeit vermittelt. Aufgrund dieser Verknüpfungen wird dem dankbaren Leser eines jener Kapitel erspart, in denen sich ermüdend theoretisch dem »Menschen« und seiner Biographie genähert wird – erklärt sich die Kunstfigur ohnehin am besten durch das Werk. Um so nützlicher der sorgfältige Anhang, der neben einem tabellarischen Lebenslauf und einer umfassenden Bibliographie auch die bei Heyne endlich zum Standard erhobene ausführliche Filmographie enthält. »Bei mir weiß ich ja nie, was der nächste Film ist«, sagt Schlöndorff, und nach der Lektüre von Thilo Wydras Buch erklärt das Vieles. 1970-01-01 01:00

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