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Die Metaphysik des Lichts

Heide Wiese (Hrsg.): Die Metaphysik des Lichts. Der Kameramann Henri Alekan. Marburg 1996. Schüren Verlag. 166 Seiten
Von Markus Fritsch Sein größter Feind ist das, was er Naturalismus nennt, diese Mischung aus Ideologie und Feigheit, die dazu führt, daß alle Kreativität vernachlässigt wird zugunsten einer angeblichen Reproduktion der alltäglichen Welt,« so charakterisierte Alain Robbe-Grillet das filmische Schaffen des französischen Kameramanns Alekan.

Neben der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Wim Wenders wirkte Alekan an der Entstehung von Filmklassikern wie »Die Schöne und das Biest« von Jean Cocteau mit. Prägnant an diesen Filmen ist die expressive Lichtführung Alekans, die in malerischer Weise dem Filmbild einen dreidimensionalen Raum verleiht. Durch das expressive Licht wird die Aufmerksamkeit der Zuschauer über Stars und Spannung auf die spezifischen Ausdrucksmittel des jeweiligen Films geleitet. Die spezifische Lichtführung Alekans regt den Zuschauer zum Nachdenken an, und in den Tiefen unseres Gedächtnisses werden subjektive Erinnerungen an Impressionen von Licht und Schatten aus unserem bisherigen Leben wachgerufen.

Henri Alekan wurde 1993 für sein filmisches Schaffen von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung geehrt. In dem nun erschienenen Sammelband sind Beiträge von Wim Wenders und verschiedenen Filmwissenschaftlern enthalten, die Alekans Prinzip der poetischen Kamera vor einem philosophischen und künstlerischen Hintergrund erklären.

In einem zunehmend von Computeranimation beherrschten Filmzeitalter, das uns mit seelenlosen Hollywoodstreifen bombardiert, wirken die poetischen Exkurse über Alekans Werk wie eine Wohltat. Darum sei die Lektüre dieses Buches auch allen Filmfreaks ans Herz gelegt, die jenseits des Mainstreamkinos nach künstlerischen Vorbildern suchen und bei Poesie nicht gleich anfangen zu gähnen. 1970-01-01 01:00

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