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Deutschland auf der Mattscheibe

Martin Wiebel (Hrsg.): Deutschland auf der Mattscheibe. Frankfurt a.M. 1999. Verlag der Autoren. 425 Seiten
Von Manuela Brunner »Im Bildschirm als dem Spiegel der Zeit erschien die Zeit im Spiegel.« Ein seltsamer Satz und eine seltsame Tatsache, daß die matte Scheibe so trefflich die deutsche Geschichte spiegelt. Auf Martin Wiebels Anregung hin wird die Ausstellung »Einigkeit und Recht und Freiheit«, die von Mai bis Oktober 1999 in Berlin stattfindet, nicht von einer Kinofilm- sondern einer Fernsehspiel-Reihe ergänzt. Ein buntes Sammelsurium an Texten hat er als Begleitmaterial dazu aufgestöbert. Kritiken, Presseinformationen, alte und neue Impressionen der Regisseure, Drehbuchautoren oder Mitwirkenden.

Bundestag und Oswalt Kolle über »Besuch aus der Zone« (1958): Dem einen wird das Leben in der sowjetischen Besatzungszone zu positiv dargestellt, der andere fühlt sich erleuchtet und ruft aus: »So sind wir!« Zwischen hier und dem jüngsten Film der Reihe, »Todesspiel« (1997), liegen hitzige Reaktionen z.B. zu »Alma Mater« (1969) – »Anti-Studentenpropaganda im Nazi-Stil!« – oder ein Schlagabtausch zwischen der FAZ und den Filmemachern von »Rote Fahnen sieht man besser« (1971). Texte wie diese spiegeln die damalige Gesellschaft fast noch besser als die Filme selbst.

Dann wieder harmlose, amüsante Drehberichte und Hintergrundgeschichten von Dieter Wedel z.B. zum Häuslebauerfilm »Einmal im Leben« (1972). Aber gerade diese Diversität der Texte macht den Reiz des Buches aus. Der zitierfreudige Martin Wiebel schafft es zudem recht überzeugend, in einer dreißigseitigen Einleitung einen roten Faden durch die ausgewählten Filme und Texte zu ziehen. 1970-01-01 01:00

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