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Das große Personenlexikon des Films

Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Berlin 2001. Schwarzkopf & Schwarzkopf. 8 Bände. 260,- EUR
Von Andrea Keil Lexika gibt's wie Sand am Meer. Will man etwas über Bekanntheiten der internationalen Branche wie Steven Spielberg oder Marlene Dietrich nachschlagen, braucht man sicherlich zu keiner achtbändigen Enzyklopädie zu greifen, um fündig zu werden. Doch was, wenn der Gesuchte weder ein weltweit renommierter Star ist, noch vor der Kamera oder auf dem Regiestuhl agiert? Dann muß man schon großes Glück haben oder mühsam im Internet diverse wenig aussagekräftige Stellen zusammenpuzzeln.

Zu letzterem gibt es jetzt auf dem Buchmarkt eine, wenn auch nicht ganz billige, Alternative: Das große Personenlexikon des Films. Das von Kay Weniger im Alleingang (!) innerhalb von mehr als zehn Jahren Arbeit zusammengestellte Werk hortet zwischen seinen Buchdeckeln circa 6000 akribisch recherchierte Biographien. Darunter fallen neben Schauspielern, Regisseuren, Drehbuchautoren und Produzenten auch bisher kaum von Lexikonautoren berücksichtigte Repräsentanten von Berufsgruppen wie Kameraleute, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer.

In minutiöser Archäologenarbeit eruierte Weniger zudem den beruflichen Werdegang längst verstorbener Filmkünstler, die zu Lebzeiten allerdings von größerer Bedeutung waren, wie beispielsweise Ben Reynolds, der Stammkameramann Erich von Stroheims oder Luis Buñuels Filmarchitekt Pierre Schildknecht. Besonderes Augenmerk wurde dabei auch auf die vergessenen Kinder der Kinowelt gerichtet, etwa auf jüdische oder nicht NSDAP-konforme Personen, die ins Exil vertrieben oder ermordet wurden. So konnte an mancher Stelle das bislang nebulöse Schicksal mancher Opfer des Terrors aufgedeckt werden, unter anderem das von Horst Birr, Jaro Fürth oder Walter Supper.

Anstatt von anderen Enzyklopädien abzuschreiben, machte sich Weniger bei seiner Personenrecherche daran, sämtliche Geburts- , Sterbe- und filmographische Daten zu verifizieren. Die Vita einiger weniger Künstler mußte sogar aus dem Dunst der PR-Mystifizierung ans Tageslicht transportiert werden, so zum Beispiel die bislang eher spekulativen Behauptungen über Yul Brynners Abstammung.

Der Lauftext der einzelnen Biographien ist vergleichsweise umfangreich: Neben der cineastischen Karriere gibt er auch Auskunft über Bühnen- und Fernseherfahrungen oder auch nicht-künstlerischer Arbeitsbereiche. Zusätzlich informiert das Lexikon über verwandtschaftliche Verhältnisse mit Kollegen aus der Kinobranche.
Die Tatsache, daß sich Kay Weniger ohne jegliche Unterstützung durch andere Autoren an die Realisierung des Kompendiums machte, läßt vielleicht manchen an der »Objektivität« der Auswahl zweifeln, hat aber auch den Vorteil, daß die Enzyklopädie nicht zu einem Patchwork-Teppich aus Biographien mit zahllosen, qualitativ höchst unterschiedlichen Schreibstilen zusammengenäht worden ist, sondern vielmehr eine einheitliche Linie vorweisen kann. Kein Schnäppchen, aber für Cineasten eines der derzeit besten Lexika. 1970-01-01 01:00

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