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Kinski

Georg Wend: Kinski – Werk der Leidenschaft. Meitingen 1998. Corian. 210 Seiten
Von oB Wieviele manifeste Bestätigungen des selbst erschaffenen Mythos’ Klaus Kinskis vermag die Welt noch zu ertragen? Georg Wend ist der Nächste, der Kinskis sogenannter Autobiographie („Ich bin so wild nach Deinem Erdbeermund“) erliegt und ein weiteres Mal lediglich alle Widersprüche, Egotrips und Exzentriken herunterbetet, ohne auch nur einen Moment erhellend hinter sie zu schauen. Chronologisch geht’s im Schweinsgalopp über die ersten künstlerischen Jahre hinweg unter der gewagten Behauptung, Kinski habe bis zu den Edgar-Wallace-Filmen seine Drehbücher noch mit einer gewissen Sorgfalt ausgewählt. Abgesehen davon, daß die Vorstellung, Kinski habe sich jene paar Winzrollen in den 50ern aus Stapeln von Drehbüchern aussuchen können, schlicht zu bezweifeln ist, dürfte seine Haltung zu diesen Filmen nicht anders gewesen sein, als zu späteren Werken: Kinski war einfach permanent pleite…

Auch im folgenden mangelt es dem Autor leider nicht selten an kompetentem Einschätzungsvermögen, so zeichnet sich Wends Kapitel über die Edgar-Wallace-Filme durch eine recht überhebliche und leichtfertige Einstellung ihnen gegenüber aus. Die von ihm diagnostizierte „filmkünstlerisch generell rudimentäre Bedeutung“ als „Schmalspur-Horror für Anspruchlose“ ist aus heutiger Sicht weder filmhistorisch noch filmanalytisch haltbar. Zudem häufen sich in der gesamten Arbeit unpräzise Formulierungen, gipfelnd z.B. in der Feststellung, Kinski wisse selbst in für ihn unbedeutenden Filmen wie Die toten Augen von London „seine schauspielerischen Mittel perfekt einzusetzen“, um dann als Beleg seiner mimischen Größe eine Szene anzuführen, in der Kinski „eine Sonnenbrille trägt, die seine sinistre Erscheinung noch mehr akzentuiert.“

Insgesamt schließt sich das Buch ermüdend hartnäckig der oberflächlichen Meinung über den Meister des Ich-Kults an, verteidigt und entschuldigt permanent und spricht im Zusammenhang mit Kinskis autofiktionalem literarischen Werk von „Authentizität“. So ganz läßt sich der Eindruck nicht vermeiden, die Intention des Autors, sich mit Kinski zu beschäftigen, fände sich in dessen Einschätzung zu eben jener Autobiographie: „Man wird konfrontiert mit einem erfüllten Leben, wie man es sich wünscht, voller Liebe, Leidenschaft und Sex […]“. 1970-01-01 01:00

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