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Früher Film und späte Folgen

Ursula von Keitz (Hrsg.): Früher Film und späte Folgen. Marburg 1998. Schüren. 120 Seiten
Von Annette Groschke Achtung Nitrofilm! Leicht entflammbar und von seiner Herstellung an einem Prozeß der Autokatalyse ausgesetzt ist die Sicherung des Kinofilmmaterials eine der Hauptaufgaben und -probleme der Filmarchive. Mit der Archivierung, Restaurierung und Wiederaufführung von Filmen aus den Jahren 1895 bis 1930 befassen sich die Beiträge des Buches »Früher Film und späte Folgen«. Außer technischen Gegebenheiten werden vor allem die Inhalte der historischen Kinematographie erörtert.

Einen besonderen Schwerpunkt stellt dabei die Frage nach Authentizität dar, denn inwiefern ist es möglich, aus mehreren Fragmenten die ursprüngliche Schnittfassung wiederherzustellen? Einen Lösungsansatz beschreibt Jan-Christopher Horak, der die meisten Rekonstruktionen als Versuche wertet, in seinem Aufsatz »Der Fall Die freudlose Gasse«. Auch zur Neupräsentation des frühen Films werden konkrete Vorschläge gemacht, die sich an den vergessenen, traditionellen Vorführungsformen aus der Anfangszeit der »Nickelodeon-Theatres« und des »Kintopp« orientieren.

Der Begleitung von neu aufgeführten Stummfilmen mit Live-Musik, die seit Anfang der 80er Jahre eine Renaissance erlebt hat, sind zwei der sechs Beiträge gewidmet. Auch hier stellt sich die Frage nach dem »Original«-Film, denn wenn die Partitur der Begleitmusik nicht mehr existiert, kann eine Neu-Komposition auch nur als Versuch gewertet werden, die Atmosphäre des Originals wiederzugeben. Die Autoren sind sich jedoch einig, daß Stummfilme, wenn man ein wenig Abstand vom streng filmwissenschaftlichen Ansatz nimmt, immer von Begleitmusik profitieren und mit ihrer Hilfe zu einem Ereignis mit hohem Erlebniswert werden.

Zu einem solchen kann »Früher Film und späte Folgen« mit seiner kompakten Übersicht über die »Rettung« historischer Filmwerke bis zu ihrer Wiederaufführung beitragen, denn das Buch schafft es, den »toten Filmen in Büchsen« in der Phantasie des Lesers (und hoffentlich auch der der Kinobetreiber) neues Leben einzuhauchen. 1970-01-01 01:00

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