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Film als subversive Kunst

Amos Vogel: Film als subversive Kunst. St. Andrä Wördern 1997. Hannibal Verlag. 340 Seiten
Von Dagmar Hölte Schon lange wissen Cineasten, daß Deutschland eine filmliterarische Steppe ist – meist öde, trocken und leer. Doch in diesen Tagen veröffentlicht der Hannibal Verlag eine Koryphäe der provokanten Filmliteratur: Amos Vogels »Film als subversive Kunst«. Das läßt jeden Filmkenner aufhorchen! Erstmals 1974 in der amerikanischen Originalausgabe erschienen und 1979 in der deutschen Erstausgabe, avancierte dieses Meisterwerk schnell zum Kultbuch.

Amos Vogel, geboren 1921 in Wien, Gründer und Direktor des »Cinema 16«, des größten Filmclubs Amerikas, und Mitbegründer des New York Film Festivals, ist wohl der einzige Mensch, der alle in diesem Buch aufgeführten Filme gesehen hat. Schon in Wien verfiel er dem Kino, wie er sagt. 1939 mußte er vor den Nationalsozialisten fliehen und emigrierte in die USA. Durch Filmvorführungen der damaligen Filmavantgarde in New York wurde seine Leidenschaft zur Berufung, und er begann, selbst Filmvorführungen zu organisieren, woraus sich das »Cinema 16« entwickelte. Das Programm bestand aus Experimental-, Dokumentar-, Spiel- und manchmal auch rein wissenschaftlichen Filmen. Alle Genres wurden bei Amos Vogel berücksichtigt, und sein Interesse am »subversiven« Film hält bis heute an, wie er 1995 während der Oberhausener Kurzfilmtage auch dem deutschen Publikum bewies.

Sein enzyklopädisch angelegtes Nachschlagewerk ist in drei Themenbereiche gegliedert: die Subversion der Form (die revolutionäre Filmavantgarde der UdSSR), des Inhalts (Filme der internationalen Linken, der Dritten Welt, des Nationalsozialismus etc.) sowie tabuisierte Themen (Pornographie, Homosexualität, Geburt, Tod, Konzentrationslager, Blasphemie etc.). Jedem Kapitel ist eine ausführliche Darstellung des jeweiligen Genres gewidmet, die sowohl filmhistorische als auch filmanalytische Aspekte beinhaltet. Die anschließenden Filmbeispiele sind differenziert erläutert und reich bebildert, so daß vor dem inneren Auge noch einmal Fernando Solanas' »Die Stunde der Hochöfen«, »Blow Job« von Andy Warhol oder »Im Reich der Sinne« von Nagisa Oshima vorbeiziehen.

Amos Vogel zeigt, daß abseits des gefälligen und ewig redundanten Kinos auch ein höchst provokantes und kontroverses Kino existiert, dem leider wenig Beachtung geschenkt wird – Achtung: Subversiv!
Die verdienstvolle Wiederveröffentlichung in hervorragender Ausstattung schickt jeden umstürzlerischen Kinogänger auf eine Entdeckungsreise, die viele vergessene Schätze bereithält. 1970-01-01 01:00

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