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François Truffaut

Robert Fischer (Hrsg.): François Truffaut: Die Filme meines Lebens. Aufsätze und Kritiken. Frankfurt/Main 1997. Verlag der Autoren. 555 Seiten

Die Lust am Sehen

Robert Fischer (Hrsg.): Die Lust am Sehen. Frankfurt/Main 1999. Verlag der Autoren. 411 Seiten
Von Thomas Warnecke Das Titelbild der »Filme meines Lebens« ist die Essenz: In sanft historischer Gewandung, die Feder fest in der Hand, blickt der Autor geradeaus, aus dem Bild heraus. Es ist eine Aufnahme aus »L'enfant sauvage« (1969/70), wo er bezeichnenderweise einen Taubstummenforscher darstellt, sich also mit einem Zugang zur Welt beschäftigt, der einzig über die Augen möglich ist. So ist er auch auf der Aufnahme zu sehen: schreibend nicht mit der Hand, sondern mit dem Auge.

Es war das theatralisch-literarische Kino der Nachkriegsjahre, welches die Kritiker der Nouvelle Vague auf den Plan rief und sie nach dem Kino der subjektiven, authentischen Sicht auf die Welt verlangen ließ: dem Autorenfilm. »Die Filme meines Lebens« versammelt einen Querschnitt durch die Filme, die Truffauts Kinotraum Wirklichkeit werden ließen, oder, um das dem Buch vorangestellte Zitat Henry Millers abzuwandeln: Diese Filme lebten und haben zu mir gesprochen. Gewiß, die Namen der Regisseure lesen sich wie ein Kanon der Filmgeschichte, doch die Worte, die Truffaut für jeden dieser Filme findet, zeugen von einer unmittelbaren Begeisterung und Gegenwärtigkeit des Erlebens. Die Sprache Truffauts ist uneitel und direkt, ihre Klarheit zeugt von Menschenfreundlichkeit und Augenlust und vor allem: von sicheren Überzeugungen, die niemals dogmatisch wirken, sondern sich immer am einzelnen Werk beweisen.

Der zweite Band, »Die Lust am Sehen«, ist weniger auf Filmgeschichtsschreibung angelegt, insofern hier noch deutlicher die privaten Neigungen des Augenmenschen zur Sprache kommen; hinzu kommt, in den Würdigungen enger Mitarbeiter wie Nestor Almendros oder Georges Delerue, eine stärkere Verbindung zum Filmemacher Truffaut – das erste Kapitel lautet: »Das Kino in der ersten Person«. Was diese Aufsatzsammlung für jeden Filminteressierten zur Pflichtlektüre macht, sind die den Band beschließenden Polemiken, vor allem »Eine gewisse Tendenz im französischen Film« von 1954, das Fanal in den »Cahiers du Cinéma«, die Kampfansage an das Qualitätskino und Wegbereiter der Nouvelle Vague. Seit François Truffaut hat sich das Kino verändert und ist unser Sehen nicht mehr das gleiche. 1970-01-01 01:00

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