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Body Trouble

Bärbel Tischleder: Body Trouble. Entkörperlichung, Whiteness und das amerikanische Gegenwartskino. Frankfurt/Main 2001. Stroemfeld/Nexus. 286 S.
Von Michael Leuffen Diskurse haben in der Medienwissenschaft häufig ein Problem: Schnell werden sie allerorts goutiert und gewinnen so eine Differenziertheit, welche die eh schon durch Diskurse im allgemeinen überfütterten Studien über Medien noch undurchsichtiger macht. So geschehen mit der Körperdebatte der letzten Jahre. Ob in den Gender Studies, in der Philosophie, Medientheorie, Psychoanalyse oder Kulturtheorie: Der Körper war in jedem Ansatz hip, und allerorts wurde fleißig über die Darstellung des selbigen diskutiert und an einer unüberschaubaren diskursiven Vielfalt gearbeitet.

So wurde nicht nur die Präsenz des menschlichen Korpus in den Medien durchleuchtet, sondern auch seine Zeichenhaftigkeit und die damit assoziierten verborgenen kulturellen Prozesse. Bärbel Tischleder hat nun in ihrem Buch einen Großteil der Theoriedebatten in ihren wichtigsten Essenzen untersucht und sie für eine ideologiekritische Filmdebatte fruchtbar gemacht. Mittels ausführlicher und gut lesbarer Betrachtungen zu den Filmen »Philadelphia« (1993), »Fargo« (1996) und »Titanic« (1997) analysiert sie Formen der Körperinszenierung im amerikanischen Film und verfolgt deren ideologische Wirkungsspur. Dabei belegt Tischleder eine Verschmelzung von amerikanischer Mythologie und Körperdarstellung, die sowohl das Mainstreamkino als auch die Independent Produktionen durchzieht.

Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse nutzt sie für eine ideologiekritische Lesart und verquickt sie mit den aktuellen Körperdebatten der Medienwissenschaft. Dabei erschließt sich ihre These, daß der Körperboom in den Wissenschaften, im Alltag, in den Medien und im Kino auf einem Verlust von Körperlichkeit in den augenblicklichen Lebenswelten basiert. So versinnbildlicht sie zum einen den verborgenen Antrieb der boomenden Körperdebatten und verdeutlicht zum anderen den in den Medienwissenschaften oft rein theoretischen Diskurs aufschlußreich an Filmen, deren Analysen ideologiekritische Töne in eine wissenschaftliche Disziplin transportieren, welche nicht nur die Aufgabe hat, mediale Prozesse zu beschreiben, sondern deren verborgene Mechanismen zu differenzieren. 1970-01-01 01:00

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