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Stanley Kubrick und seine Filme

Georg Seeßlen, Fernand Jung: Stanley Kubrick und seine Filme. Marburg 1999. Schüren Verlag. 320 Seiten

Stanley Kubrick

Rolf Thissen: Stanley Kubrick. Der Regisseur als Architekt. München 1999. Heyne Verlag. 288 Seiten

Versatzstücke des Kubrick-Hypes

Von Thilo Wydra Gleich mehrere Bücher über den im März dieses Jahres verstorbenen und durch den September-Start seines letzten Films, »Eyes Wide Shut«, überall präsenten Stanley Kubrick erscheinen in diesem Bücherherbst, pünktlich zur Frankfurter Buchmesse.

Zwei Publikationen seien hier exemplarisch herausgegriffen und vorgestellt: Da ist zunächst der im Schüren Verlag erschienene jüngste Wurf von Georg Seeßlen, der in Co-Autorenschaft mit Fernand Jung »Stanley Kubrick und seine Filme« analysiert. Und auch die Heyne Filmbibliothek liefert ihren Beitrag zum internationalen Kubrick-Hype: Autor des neuesten Bandes der zunehmend ausgedünnten Filmbibliothek ist Rolf Thissen, »Stanley Kubrick. Der Regisseur als Architekt« ist sein Buch betitelt.

Seeßlen, der zuletzt etwa über »David Lynch und seine Filme« schrieb und zu den namhaftesten Filmpublizisten Deutschlands zählt, unternimmt den Versuch, Kubricks in 45 Jahren entstandenes, aus 13 Arbeiten bestehendes Werk im ersten Teil unter thematisch kompilierten Aspekten und unter verschiedenen Dach-Konnotationen zu untersuchen. Daß Seeßlen dabei Leben und Werk stets ineinander übergreifend betrachtet, stellt sich gewiß als Lektürevorteil heraus; das scheinbar gegen jeden Einblick von außen so hermetisch abgeschirmte Privatleben von Stanley Kubrick ist letztendlich von seinem Werk kaum zu trennen.

Besonders interessant: Seeßlens Ausführungen über Themenkomplexe wie »Fear and Desire« (nicht zuletzt Kubricks erster Langfilm von 1953 trägt just diesen Titel) oder »Der Mensch in der Revolte« – Kubrick-Sujets, die immer wieder von kafkaesken, hitchcockschen Zügen durchdrungen sind. Ohnehin dürfte Kubrick einer der großen Regisseure der Angst gewesen sein, und nicht nur »The Shining« (1980), in dem Jack Nicholson schlußendlich buchstäblich aus »Fear and Desire« erfriert, mag hierfür stehen.

Der zweite Teil des Buches ist die ausführliche Werkanalyse: Chronologisch wird Film für Film werkimmanent interpretiert, innnerhalb der Vita Kubricks eingeordnet und in kulturhistorischen Kontext gestellt. Den wichtigen (internationalen) Publikationen über Stanley Kubrick und sein nunmehr abgeschlossenes Werk ist Seeßlens Buch damit zweifelsohne hinzuzurechnen.

Thissens Buch, so konzediert er eigens auf der ersten Seite, sei »unter extremem Zeitdruck« entstanden, und so stolpert man etwa auf der Umschlagrückseite über das falsche Geburtsjahr Kubricks. Ganz ähnlich wie Seeßlen geht Thissen in seiner Werkanalyse chronologisch vor, vereint jeweils zwei Filme in einem Kapitel und stellt eines mit einführend-allgemeinem Charakter voran.

Thissens Herangehensweise entspricht dabei eher einer Werkbeschreibung denn einer Analyse, er geht deskriptiv vor, sehr ausführlich etwa ist die Inhaltsangabe von »Eyes Wide Shut«, der er ein ganzes Kapitel widmet. Seeßlen ähnlich, ist auch Thissens Begeisterung über Kubricks filmisches Vermächtnis groß: »Eyes Wide Shut ist ein überwältigender Film – elegant, opulent, raffiniert, packend, mit brillanten Schauspielern besetzt, selbst in den kleinsten Nebenrollen, und einer Lichtgebung, die atemberaubend ist«.

Der kommentierten Filmographie folgen zwei durchaus interessante Frage-Antwort-Interviews, eines mit Jan Harlan, Kubricks Schwager und Executive Producer seit »Barry Lyndon«, und eines mit Andrew Birkin, Regisseur etwa von »Der Zementgarten« und Kubrick-Assistent bei »2001: A Space Odyssey«.

Fehlt bei Seeßlen nur ein Register, so fehlt bei Thissen gleich die komplette Bibliographie. Dafür enthält Thissens Buch eine Diskographie mit den einzelnen Soundtracks. 1970-01-01 01:00

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