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Taking Sides – Der Filmregisseur István Szabó

Sandra Theiß: Taking Sides – Der Filmregisseur István Szabó. 2003 Bender Verlag, Mainz, 349 Seiten, 21,90 EUR

Farbe bekennen

Von Martin Windolph Seit der Verfilmung von Klaus Manns »Mephisto« (1981) ist István Szabó zum international anerkannten Regisseur avanciert. Die Verführung durch Macht und Szabós Heimatland Ungarn bilden die beiden Schwerpunktthemen in seinen bisherigen Filmen. Sandra Theiß hat mit ihrem Band »Taking Sides – Der Filmregisseur István Szabó« die erste Veröffentlichung vorgelegt, die das Schaffen des Regisseurs umfassend dokumentiert.

Um »Taking Sides« – Farbe bekennen – geht es in Szabós Filmen. Als kritischer Beobachter setzt er seine Charaktere immer wieder sich ändernden gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen aus, spielt mit ihnen Verhaltensmodelle durch. In Theiß' Band wird dies exemplarisch an ausgewählten Filmszenen und der Darstellung wiederkehrender Motive verdeutlicht. Im ersten Teil des Bandes konzentriert sich die Verfasserin auf die Filme der Brandauer-Trilogie ("Mephisto«, »Oberst Redl«, »Hanussen"), in denen Szabó das Verhältnis von Wissen und Macht und die Frage nach der Verführbarkeit des Menschen thematisiert. Die Voraussetzungen der Charaktere, ein mehr oder weniger stark diktatorisches System zu unterstützen, und die Frage nach deren Verantwortung und Schuld werden von Theiß ausführlich und nachvollziehbar diskutiert. Szabós Filme sind Beispielgeschichten, die einen allegorischen Charakter besitzen. Figuren wie Höfgen, Redl und Hanussen sind in jeder Zwangsherrschaft denkbar.

Der zweite Teil des Buches konzentriert sich auf drei ausgewählte Filme, die vor dem Hintergrund der ungarischen Geschichte angesiedelt sind ("Vater«, »Süße Emma, liebe Böbe«, Ein Hauch von Sonnenschein). Theiß zeigt auch hier den zentralen Konflikt der Charaktere zwischen Anpassung und Identität im Kontext gesellschaftlicher Umbrüche. Neben einer präzisen filmischen Beschreibung gelingt ihr ein Abriß der im Film dargestellten historischen Zusammenhänge, der das Filmverständnis erleichtert. Abschließende Untersuchung bildet Szabós jüngster Film »Taking Sides – Der Fall Furtwängler« (2001), in der die Verantwortung des Künstlers im totalitären System erneut im Zentrum der Handlung steht.

Theiß' Buch unterzieht endlich einmal die Hauptwerke Szabós einer genau beobachteten und gut verständlichen Analyse. Das 2002 von der Verfasserin durchgeführte Interview rundet den Band ab und vermag noch ganz neue Sichtweisen auf einen Regisseur zu geben, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Zuschauer immer wieder zur eigenen Stellungnahme herauszufordern. 1970-01-01 01:00

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