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Splitter im Gewebe

Marcus Stiglegger (Hrsg.): Splitter im Gewebe. Filmemacher zwischen Autorenfilm und Mainstreamkino. Mainz 2000. Theo Bender Verlag. 317 Seiten
Von Thomas Waitz »Splitter im Gewebe« ist ein für die deutsche Filmpublizistik bezeichnendes Werk, wirkt der Sammelband doch wie ein Paradebeispiel klassischer Zweitverwertung – mit dem Schönheitsfehler allerdings, daß es sich bei den hier zusammengetragenen Texten um Erstveröffentlichungen handelt. Und so stehen Beiträge zu Sam Peckinpah, Andrzej Zulawski, David Fincher, Tim Burton oder Tom Tykwer leidlich unverbunden nebeneinander. Allein das Editorial versucht, Verbindungen aufzuzeigen, indem es die Filmemacher, deren Werke hier behandelt werden, auf eine gleichermaßen konstruierte wie fragwürdige Weise einzuordnen gedenkt in eine Zwischenposition von »Autorenfilm« und »Mainstreamkino«.

Nur: Dieser Dualismus ist weder sonderlich neu, noch bestechend, noch aufrechtzuerhalten. Die einzelnen Texte des im Umfeld der Mainzer Filmwissenschaft entstandenen Bandes sind bio-filmographisch orientiert und häufig stark deskriptiv. Nichtsdestotrotz gewinnen sie ihren Gegenständen hin und wieder neue Aspekte ab, wie Annette Kilzer über Michael Winterbottom – bisweilen jedoch auch nur schlicht Belangloses (Sandra Schuppach über Tom Tykwer).

Das Buch möge »unbequem in der deutschen Filmliteratur« stehen, wünscht sich Stiglegger in der Einleitung, schließlich gelte es, einer »einseitigen Kanonbildung« entgegenzuwirken. Wer so etwas proklamiert, muß sich die Frage gefallen lassen, wessen Kanon er meint und welche »zweite Seite« er diesem entgegenzusetzen hat. Die »Splitter im Gewebe« sind ein nett zu lesendes, gutgemeintes, wenngleich beliebiges Sammelsurium, das im wesentlichen selbst wiederum kanonisierte Filmemacher präsentiert. 1970-01-01 01:00
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