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Kunst/Kino

Gregor Stemmrich (Hrsg.): Kunst/Kino, Jahresring 48, Jahrbuch für moderne Kunst. Köln 2001. Oktagon. 272 Seiten. 24,80 EUR
Von Christoph Schulz Der Themenkreis des Verhältnisses von Film und Kunst und beides im Zusammenhang mit Kino ist bisher eher als Ausstellung in Museen praktisch dargestellt, beziehungsweise in den Monographien zu den jeweiligen Künstlern theoretisch aufgearbeitet worden.
Der letzte Jahresring greift dieses Thema im Anschluß an ein Symposium unter dem Thema »Eine andere Kunst – ein anderes Kino« auf, das im April 2001 im Berliner Kino Arsenal in hochkarätiger Besetzung stattgefunden hat.

Das Buch besticht besonders durch den Überblick und die bereichernde Ausgewogenheit zwischen in diesem Zusammenhang schon einmal gehörten Namen und Themen, wie Marcel Broodthaers Section Cinéma oder die Institutional Critique am Kino von Michael Asher und Dan Graham, die aber, wie beispielsweise im Falle von Robert Smithsons Film »Spiral Jetty«, mit ungewöhnlichen Themen kurzgeschlossen werden; hier geschehen mit Antonionis »Zabriskie Point«.

Auch einige eher vernachlässigte, aber längst fällige Themen wie die filmische Praxis als Theorie bei Guy Debord schaffen es, die schon fast kanonisierte Riege von Künstlern, die zu diesem Thema herbeigeholt werden, sinnvoll zu erweitern. In diesen Zusammenhang gehört auch Michael Wetzels Text, der sich mit dem Verhältnis von Stimme und Bild in den Filmen Chris Markers befaßt. Überraschenderweise liegt hier auch der Klassikertext zu diesem Thema, Peter Wollens »The Two Avantgardes« von 1975, erstmals in deutscher Übersetzung vor.

Einige der Texte, wie der über die amerikanische Avantgardefilmerin Joyce Wieland und auch der zu James Coleman, haben durch die kleine Retrospektive mit Filmen von Wieland auf den Oberhausener Kurzfilmtagen, die auch im Arsenal zu sehen war, beziehungsweise durch Colemans Ausstellung im Lehnbachhaus in München, einen überraschend aktuellen Bezug.

Auch der geläufigere Diskurs von zeitgenössischen Künstlern, die mit Film und Filmischem umgehen, ist mit dem überblickartigen Text von Raymond Bellour und Ursula Frohnes Beitrag zu Immersion und Partizipation in Video-Installationen würdig vertreten. Es ist im wahrsten und besten Sinne für jeden etwas dabei. 1970-01-01 01:00
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