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Die lange Nacht der Schatten

Barbara Steinbauer-Grötsch: Die lange Nacht der Schatten. Film noir und Filmexil. Bertz + Fischer. Berlin 2005. 225 Seiten. 25 EUR

Im Schatten verblieben

Von Nadine Sohn Der Schatten, der über diesem Buch liegt, heißt Wiederholung, denn die Autorin bietet wenig Neues. Das Buch der Theaterwissenschaftlerin Steinbauer-Grötsch ist recht klar aufgebaut: In einer Einleitung präsentiert sie ihre Thesen knapp und präzise, sie problematisiert den Begriff Film noir und schildert die Rahmenbedingungen. Daß sie sich dabei auf keine einfache Definition des Begriffes festlegen läßt, erscheint zunächst ansprechend. Daß allerdings auch andere Begriffe in ihrer Definition schwammig bleiben, ist ein Makel des Buches. So bleibt oft unklar, ob sie deutsche, deutschsprachige oder auch osteuropäische Exilanten ihrer Beobachtung zugrundelegt.

Ein weiteres Kapitel betrachtet Exilanten aus allen Teilen des Filmbetriebes – von Regisseuren bis hin zu Komponisten und Ausstattern. Schließlich folgt der Hauptteil, in dem die Autorin Motive aus dem deutschen Stummfilm aufzeigt und deren Übereinstimmungen oder Weiterentwicklungen in Filmen der schwarzen Serie sucht.
Eine große Anzahl an Bildern kann manche Aspekte sehr einfach und anschaulich vermitteln. Die Analyse der Filmausschnitte ist allerdings zu lang geraten und die systematische Vorgehensweise führt leider dazu, daß es auch hier öfters zu Wiederholungen kommt.

Es gelingt der Autorin sehr gut, eine Verschmelzung der Kulturen durch den künstlerischen Import der Filmschaffenden aufzuzeigen, beispielsweise durch das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Einflüsse: Motive der europäischen Literaturgeschichte, besonders der schwarzen Romantik, treffen auf Werke der hartgesottenen Kriminalliteratur. Diese rein amerikanische Strömung verliert die Autorin übrigens trotz ihrer These der »deutschen Schule in Hollywood« nie aus den Augen. Ganz profan zeigt sich der Gegensatz der Kulturen auch im Zusammentreffen der deutschen bzw. europäischen Arbeitsweise mit dem amerikanischen Studiosystem.

Am Ende würde ein Ausblick auf spätere Werke im Stil des Film noir erfreuen, doch hierüber findet sich bei Steinbauer-Grötsch leider keinerlei Verweis.
Dem Aufsatz folgt stattdessen ein ausführlicher Anhang mit 300 Filmtiteln und eine Liste europäischer Exilanten. Des weiteren eine Filmographie des deutschen Stummfilmes und eine ausführliche Liste mit Literaturhinweisen. Das Buch kann als Nachschlagewerk oder erste Einführung sicherlich dienlich sein, aus dem Dunkel anderer Bücher zum Thema tritt es allerdings nicht gerade als Lichtgestalt hervor. 1970-01-01 01:00
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