— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Krieg der Bilder – Bilder des Krieges

Georg Seeßlen / Markus Metz: Krieg der Bilder – Bilder des Krieges. Berlin 2002. Edition Tiamat. 160 Seiten. 13,- EUR
Von Thomas Waitz Daß die Ereignisse des sogenannten 11. Septembers die Welt für immer verändern würden, stellte sich als wahlweise Befürchtung, respektive Hoffnung heraus, die geradewegs und vielstimmig noch im Moment des Geschehens selber zur Äußerung gelangte. Nur dürfte sie allerdings eine jener Gestalt sein, deren bezeichnendes Merkmal wohl das einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung darstellt.

Was wir indes von den Ereignissen wissen, wissen wir aus dem Fernsehen. Dessen ungeachtet wissen wir von ihnen in mindestens dem gleichen Maße aus dem Kino – den durch die populäre Kultur in unserem kollektiven Gedächtnis eingeschlossenen Bildern der Katastrophe und den gleichermaßen damit verknüpften Strategien (und Nicht-Strategien) ihrer Bewältigung. Gleichsam diskursiv haben die unbekannten Attentäter auf diese Einschreibungen reagiert: Ihr Handeln jedoch ist nicht bloß Ausdruck, es ist die Erzeugung symbolischer Politik selbst. Tatsächlich ist ja auf den Charakter der visuellen Kriegserklärung, die weder Adressaten noch Absender kennt, stets hingewiesen worden. Hat das Kino der immanenten Katastrophen, Ausdruck der Zweifel und des Mißtrauens, das wir in die Fiktionsfabrikation der Medien abgeschoben haben, also in prophetischer Weise die Realität vorweggenommen, indem es zu den »rèves exterieurs« unseres gemeinschaftlich empfundenen Unbehangens an der Ordnung der Dinge geworden ist?

Seeßlen und Metz unternehmen in ihrem überzeugenden Band den Versuch, die Prozesse zu beschreiben, die zwischen diesem System der Bilderproduktion, dem des sogenannten Terrors, dem der »Katastrophe« und dem des Krieges stattfinden. Und es sind genau jene Prozesse, die einher zu gehen scheinen mit dem seltsamen Gefühl des Déjà-vu. Seeßlens und Metz' scharfsinnige Abhandlung zeichnet jedoch aus, daß sie jenseits einer offenkundig evidenten Ähnlichkeit von medialer Wirklichkeit und realer Katastrophe (deren schlichter Nachweis zwangsläufig ohne Erkenntniswert und damit anekdotisch bleiben muß) eine notwendige und richtige Einordnung leistet – sowohl anhand des politischen Arguments als auch innerhalb der filmischen Gestalt. Eine Einordnung, die in bestechender Weise den Blick öffnet für das, was über das bereits diffus Geahnte hinausgeht. 1970-01-01 01:00

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap