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Copland

Georg Seeßlen: Copland. Geschichte und Mythologie des Polizeifilms. Marburg 1999. Schüren. 527 Seiten
Von Dagmar Hotze Was halten wir da in den Händen? Den Brockhaus des Polizeifilms. Georg Seeßlen hat wieder zugeschlagen. Und wie! Jeder Kinogänger kennt unzählige Filme, die ausschließlich vom Leben, der Arbeit und von den diversen Nebentätigkeiten der Cops handeln (oder von dem, was wir und die Filmschaffenden dafür halten): Die Hüter des Gesetzes sind sehr facettenreich, wie die Welt nunmal bunt ist. Von Kommissar Maigret bis Popeye Doyle ist jeder Charakter vertreten. Ein weiterer Band der Reihe »Grundlagen des populären Films« widmet sich dem Polizeifilm in ausführlicher Breite, schafft Ordnung und strukturiert die lange Geschichte des Polizeifilms.

Bevor Georg Seeßlen sich intensiv mit den »Epochen« des Cop-Movies beschäftigt, stellt er das Genre und den Typus Polizist als solchen in seiner Umwelt vor. Die Ambivalenz, in der sich jeder Polizist befindet, wird sichtbar. Einerseits Repräsentant einer Organisation und Ordnungsmacht, andererseits Mensch mit allen Stärken und Schwächen. In den anschließenden Analysen der Filme durch die Jahrzehnte wird schnell ersichtlich, wie sich das Bild des Polizisten verändert. Gibt es bereits im Film noir der 40er erste Anzeichen für eine gestörte Beziehung zwischen Schützern und Beschützten, so schlägt die Darstellung der Polizei und ihrer Arbeitsmethoden in den 60er Jahren oftmals ins Zynische um. Helden gibt es auch bei der Polizei nicht (oder nicht mehr).

Den Black Cops ist ein eigenes Kapitel gewidmet, und auf gut 100 Seiten kommen die europäischen Kollegen zu ihrem Recht. Seeßlen untersucht den französischen Kriminalfilm, die Carabinieris und ihre Saquadras und natürlich auch St. Pauli und Edgar Wallace. Neue Diskurse, wie die Darstellung von ethnischen Minderheiten innerhalb des Polizeiapparats und Female Cops, finden ebenfalls ihren Platz. Auch wenn die Anzahl der einbezogenen Filme manchmal den Rahmen zu sprengen droht, stellt das Buch sowohl für den Cop-Movie-Liebhaber als auch für den Gelegenheits-Gucker ein fulminantes Nachschlagewerk dar. 1970-01-01 01:00

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