— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Film und Musik

Regina Schlagnitweit/Gottfried Schlemmer (Hrsg.): Film und Musik. Wien 2001. Synema Verlag. 160 Seiten
Von Sascha Seiler Diese Aufsatzsammlung zum Symposium Film und Musik, das im April 1995 in Wien stattfand, will einen Überblick über verschiedene Herangehensweisen an ein schwieriges, aber äußerst facettenreiches Thema geben: die Bedeutung von Musik für die Lesart eines Films. Die Auswahl an Autoren und Schwerpunkten verweist bereits auf die zahlreichen Verzweigungen, die im Zusammenhang mit dem Thema Musik im Film auftreten.

So geht etwa Caryl Flinn sehr ausführlich auf die bewußte Thematisierung und auch Manipulation von Musik als Teil des deutschen Kulturerbes in Filmen von Fassbinder, Kluge und Syberberg ein, und Isabella Reicher analysiert das klassische Hollywood-Musical, indem sie sich auf Gilles Deleuze beruft.

Thomas Miessgang untersucht die Wechselwirkung von Rockmusik und Film exemplarisch an Godards »One Plus One«, in welchem die vom Rolling Stones-Hit »Sympathy for the Devil« ausgehende negative Symbolik auf jene Aura von obskurer Dekadenz verweist, die das Ende der Hippie-Ära in den späten 60er Jahren prägte. Die Musik bekommt bei Godard die Rolle eines Bedeutungsträgers zugewiesen, dessen tatsächliche Aussage von seinem jeweiligen Kontext abhängt, also nicht als absolut definiertes Moment gesehen werden darf. So verweisen auch die Bilder und Klänge von Michael Wadleighs Film »Woodstock« für Miessgang gezielt auf ein kollektives Erleben der 60er Jahre, das größtenteils von der Industrie künstlich stimuliert worden ist.

Stanley Kubrick wiederum, so erfahren wir aus dem Beitrag von Michael Palm, hat das Prinzip der Dekontextualisierung von allseits bekannten Melodien in seinen Filmen von »Dr. Strangelove« bis hin zu Full Metal Jacket zu einem zentralen Stilprinzip erhoben. Palm bezieht sich dabei vor allem auf die berühmte Positionierung von Strauß' »Also sprach Zarathustra« in einen Kontext von Menschwerdung im kosmischen Raum ("2001") oder der Umwertung der Aussage eines harmonischen Schönwettersongs wie »Singing in the Rain« zur Begleitmusik von Gewalttaten ("A Clockwork Orange"). Kubrick benutzt die Popularität der Musik, um anhand eines neu geschaffenen Bedeutungszusammenhangs eine alternative Lesart aufzuzeigen.

Trotz der komplizierten, weil spezifisch musikwissenschaftlichen Ansätze in einigen Texten, ist »Film und Musik« auch eine aufschlußreiche und auch spannende Lektüre für Filmbegeisterte, die zwar keine Noten lesen können, aber schon immer der Faszination anheim fielen, die Musik im Rahmen eines Films auszustrahlen vermag. 1970-01-01 01:00

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap