— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

wo/man

Christine Rüffert, Irmbert Schenk u.a. (Hrsg.): wo/man. Kino und Identität. Berlin 2002. Bertz Verlag. 200 Seiten. 14.90 EUR

Kino als Experimentierfeld

Von Michael Leuffen Fragen zur Identität haben zur Zeit in den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Ansätzen Konjunktur. Besonders in den medialen Diskursen werden sie häufig diskutiert und halten durch Bände wie »Göttliche Kerle. Männer-Sex-Kino« und »Bildgeschwüre. Körper und Fremdkörper im Kino David Cronenbergs« Einzug in die populäre Filmwissenschaft.

Mit »wo/man. Kino und Identität« erscheint nun ein Band, dessen Schwerpunkt auf den Repräsentationsmustern von Geschlechteridentitäten und Geschlechterverhältnissen im Kino der 90er Jahre liegt. Dabei widmen sich fast alle Texte der Problematik einer heterosexuellen Darstellung von Identität im Kino, welche dem Zuschauer die eindeutige Subjektidentifikation erschwert oder verweigert. Denn wo ehedem in Cross-Dressing-Klassikern wie Billy Wilders »Some Like It Hot« noch eine eindeutige Identifikation durch die klare Verdeutlichung des männlichen Körpers im weiblichen Kostüm inszeniert wurde, bieten Filme wie David Cronenbergs »M. Butterfly« keine klaren Geschlechterzuordnungen mehr.

Das Kino als Experimentierfeld für neue Identitäten rückt so in einen Diskurs, dessen sinnstiftende Eindeutigkeit gegen Ambivalenzen ausgetauscht wird. So verortet der Autor Jens Thiele in seinem Beitrag »I will Dance – I will fight. Geschlechtsidentität und Körper im aktuellen Mainstream-Kino« anhand der Filme Billy Elliot und Girlfight neue Identitätsmuster, die von einen emanzipatorischen Umgang mit den Geschlechterrollen künden.

Demgegenüber attestiert Elisabeth Bronfen in ihrem Text »Männliche Halluzinationen und weibliche Vernunft« der Darstellung von Männlichkeit im Kino durch eine psychoanalytische Deutung der Filme »Eyes Wide Shut« und Fight Club eine Repräsentationskrise. Einen Überblick über die diversen Forschungsfelder der Gender Studies im Rahmen der Filmwissenschaft liefert zudem Eva Warths Text »Eye/Identity«, um Anhand von Filmen wie »M. Butterfly« zu belegen, wie technische Mediendiskurse identitätstiftende Geschlechterdiskurse degenerieren.

Insgesamt schärft die gesamte Publikation so den Blick auf Identitätskonflikte und -diskurse im aktuellen Kino, deren Virulenz in populären Diskussionen bis dato leider viel zu selten Thema ist. Warum der Band diese Fragestellung jedoch verstärkt auf das Kino der 90er Jahre fokussiert, bleibt ungeklärt. 1970-01-01 01:00

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap