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Unheimlich anders

Christine Rüffert, Irmbert Schenk, Karl-Heinz Schmid, Alfred Tews (Hg.): Unheimlich anders. Doppelgänger, Monster, Schattenwesen im Kino. Berlin 2005. Bertz + Fischer. 176 Seiten. 14,90 EUR

Erlebnis und Vorstellung

Von Katja Spranz Freud unterscheidet das unheimliche Erlebnis und die unheimliche Vorstellung. In fiktionalen Texten, besonders in phantastischen Erzählungen vermag die dichterische Phantasie eine Unmenge von unheimlichen Vorstellungen zu erregen. Das Gefühl des Unheimlichen führt Freud zum einen auf verdrängte infantile Komplexe zurück, die in der unheimlichen Situation erinnert werden. »Unheimlich anders« sammelt verschiedene Beiträge zum Thema.
Der Film stellt gerne »das Andere« dar, ist eindrucksvoller und wirkt »realer« als der Text. Schon seit den Anfängen des Kinos erwecken Filmemacher Werwölfe, Außerirdische, Freaks aller Art zum Leben. Doch nicht nur Lebewesen sind Erscheinungsformen des Unheimlichen: Auch Gegenstände und Orte als Schauplätze im Film können schaurige Assoziationen heraufbeschwören: die dunkle Metropole, voller Menschen, die sich alle fremd sind; einsame Villen, die im Nichts zu stehen scheinen.

Einerseits »existieren« diese düsteren Figuren und Orte auf der Leinwand, andererseits weiß der Zuschauer immer, daß nichts passieren kann. Urängste werden durch Horrorgestalten heraufbeschworen und gleichzeitig exorziert. Den Ängsten wird Gestalt verliehen und sie werden so kontrollierbar. Nachdem man sich gegruselt hat, kann man sich wieder über die Ordnung der realen Welt freuen.

Die verschiedenen Beiträge beschäftigen sich mit der Darstellung der unheimlichen Alterität im Film. Deren Masken sind vielfältig: ein Bildnis, das anstelle seines Eigentümers altert; außerirdische Viren, die aus den Menschen emotionslose Hüllen machen; Werwölfe, die das animalische, kulturlose der Menschheit erwachen lassen. Die Fratze des Bedrohlichen, welches die bestehende Ordnung und Kultur gefährdet, wird heraufbeschworen und gleichzeitig gebändigt. Die Gestalt des Bösen muß bestimmte Merkmale aufweisen, damit der Konsument es als solches erkennt; also müssen kulturell bedingte Symbole benutzt werden. Für die Autoren ist »das Andere« im Film also emblematisch für eine Gesellschaft. 1970-01-01 01:00

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