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Schöner Schmerz – Das Hongkong-Kino

Rehling, Petra: Schöner Schmerz – Das Hongkong-Kino zwischen Traditionen. Identitätssuche und 1997-Syndrom. Bender Verlag. 291 Seiten. 22,90 EUR

Verortung

Von Michael Leuffen Wird der sogenannte Hongkong-Film in den westlichen Kulturräumen unter populärwissenschaftlichen Aspekten betrachtet, so findet er sich häufig durch plakative Beschreibungen und Historisierungen im Genre des Actionfilms und des Martial Arts-Kino wieder. Die an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Wissenschaftlerin Petra Rehling versucht nun mit ihrer Publikation »Das Hongkong Kino zwischen Traditionen, Identitätssuche und 1997-Syndrom« die Geschichte, Ästhetik und soziokulturelle Wirkung des Hongkong-Kinos unter besondere Berücksichtigung der Cultural Studies neu zu verorten.

Dabei bezieht sie das Kino Hongkongs auf einen populärkulturellen Raum, der durch den Sonderstatus der ehemaligen britischen Kronkolonie eine besondere politische und kulturelle Entwicklung genommen hat. Im Rahmen ihrer Untersuchung debattiert sie so verschiedene Felder wie Geschlechterrollen, Traditionen, Urbanismus, Gewalt, Moral und Politik im Film und diskutiert sie vor dem Hintergrund der Sondersituation des ehemaligen Stadtstaats. Ihre Ergebnisse werden anhand der filmhistorischen Perioden zwischen 1898 und 1979, den 80er Jahren und in expliziter Form für das Jahr 1997, das die Rückgabe der Kronkolonie an die Volksrepublik China markierte, an diversen Filmbeispielen exemplifiziert.

Neben einer gut lesbaren und anschaulich dokumentierten Historisierung erarbeitet die Autorin dabei zum einen spezifische Charakteristika des Hongkong-Kinos, zum anderen verortetet sie diese immer im und um den kulturellen Sonderstatus der Stadt. Dabei bekommen vor allem der kulturell hybride Charakter und die Identitätsfindung Hongkongs einen Spiegel vorgehalten, der verdeutlicht, inwiefern sich Hongkong als städtische Gesellschaft in seine eigene Filmgeschichte einschreibt. Eine umfangreiche Liste von Hongkong-Filmen und ihrer Gewaltdarstellungen rundet zum Abschluß das Buch informativ ab. Insgesamt eine längst überfällige wissenschaftliche Untersuchung zum Hongkong-Kino, die dank ihrer Genauigkeit und ihrer brillant erarbeiteten Thesen zu einem Standardwerk im deutschen Sprachraum werden dürfte. 1970-01-01 01:00

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