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Raoul Coutard

Karl Prümm, Michael Neubauer, Peter Riedel (Hrsg.): Raoul Coutard – Kameramann der Moderne. Marburg 2004. Schüren Verlag. 210 Seiten. 19,90 EUR
Von Michael Leuffen Über die Bildermacher des Filmmetiers gibt es im Vergleich zu Schauspielern und Regisseuren nach wie vor vergleichsweise wenig Literatur. Damit diese Vernachlässigung zumindest im Rahmen von offiziellen Ehrungen begrenzt unterbunden wird, hat die Stadt Marburg im Jahr 2001 einen Kamerapreis ins Leben gerufen, der den Handwerkern unter den Filmschaffenden eine Würdigung zukommen läßt. Sein erster Preisträger war der 1924 in Paris geborene Kameramann und Fotograph Raoul Coutard. Die im Rahmen der damaligen Preisverleihung geführten Reden, Referate und Gespräche mit dem französischen Bildermacher sind nun mit dem Band »Raoul Coutard – Kameramann der Moderne« endlich für die Öffentlichkeit editiert worden.

Das Buch zeigt dabei vordergründig, daß die Nouvelle vague nicht allein ein dem Filmemacher zuzuschreibendes Autorenkino war, sondern auch immer auf der Koproduktion zwischen Regie und Kamera fußte. Der herausragende Kameramann dieser einzigartigen französischen Filmbewegung war Raoul Coutard, der gemeinsam mit Jean-Luc Godard und François Truffaut durch Filme wie »A bout de souffle« (1959), »Week-End« (1967) und »Jules et Jim« (1961) die Bildästhetik des modernen Kinos maßgeblich mitprägte und so das internationale Kino in den späten 50ern und 60ern reformierte. Der Marburger Professor für Medienwissenschaft und Mitherausgeber, Karl Prümm, stellt deshalb auch treffend fest, daß die Nouvelle vague immer »Jean-Luc Godard und Raoul Coutard« oder »Raoul Coutard und François Truffaut« war. Coutard selbst antwortet auf solche Lobpreisungen in den zu lesenden Interviews mit zurückhaltenden Aussagen wie: »Kompliziert war nichts gewesen. Alles war einfach nur neu!«

Wie neu seine Arbeit indes war, belegen im Buch vor allem die mit scharfen analytischen Beobachtungen gefüllten Aufsätze zu seiner Bild- und Lichtgestaltung und zur Kamerabewegung in seinen Filmen. Neben diesen besticht der Band zusätzlich durch anekdotisch Erzähltes von Coutard selbst. Denn vor allem in den vom Stuttgarter Kameramann Rolf Coulanges und Karl Prümm geführten Gesprächen gewährt der humorvoll kauzige Franzose einen informativen Einblick in sein Schaffen. Dabei legt er vieles über die Spontaneität seiner Kameraarbeit offen und bietet einen interessanten Einblick in die Zusammenarbeit mit den oben genannten Regisseuren. Hierbei wird deutlich, daß nicht nur die ungebundene Kadrage und die spontan wirkende Bewegung des Bildausschnittes seinen Stil auszeichnen, sondern ebenso stark die sich am Tageslicht orientierte Setzung des Lichts für seine Arbeit typisch ist. Und so bietet das erste deutschsprachige Buch über den Meisterkameramann zum einen wissenschaftliche Analysen zu seiner innovativen Arbeit. Und zum anderen einen persönlichen Eindruck über den in den 50ern des letzten Jahrhunderts in Indochina als Pressefotograph wirkenden Mann, der zehn Jahre später unter dem Banner der Nouvelle vague zum französischen Kameramann seiner Generation avancierte. 1970-01-01 01:00

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