— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Friedrich Wilhelm Murnau

Hans Helmut Prinzler (Hrsg.): Friedrich Wilhelm Murnau – ein Melancholiker des Films. Berlin 2003. Bertz Verlag. 304 Seiten. 25,- EUR

Standardwerk

Von Daniel Albers Im einschlägigen »Großen Personenlexikon des Films« ist er als »Schöpfer einiger zeitloser Meisterwerke des Weltkinos« verbucht. Er war einer der vielen talentierten Filmschaffenden der goldenen Ära des deutschen Kinos in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, die dem verlockenden Ruf aus Hollywood folgten und dadurch vielleicht ungewollt ihren Beitrag zum alles überwuchernden Riesenwuchs der amerikanischen Filmindustrie leisteten. Was bisher versäumt worden war, wurde im vergangenen Februar von der Festspielleitung der Berlinale endlich (und bezeichnenderweise ohne Jubiläumsanlaß) nachgeholt: eine umfassende Retrospektive auf einen der bis heute markantesten deutschen Filmkünstler Friedrich Wilhelm Plumpe alias Murnau.

Als Begleitband ist nun der vorliegende schmucke Wälzer erschienen, der gleichzeitig als Katalog zur derzeit in Berlin stattfindenden Murnau-Sonderausstellung und als Kopfstück einer jeden Literatursammlung über den Stummfilm-Regisseur zu fungieren vermag.

Auf einen einführenden Essay von Thomas Koebner, in dem dieser auf gekonnte Art und Weise ästhetische mit diskursiven und biographischen Betrachtungen zu verknüpfen weiß, folgt eine zweiteilige Rekonstruktion seines Werdegangs vom westfälischen Fabrikantensohn zum auch in Übersee bewunderten Filmregisseur. Interessant und umfangreich präsentiert sich die vollständige Filmographie der 21 Filme Murnaus, die er zwischen 1919 und 1931 gedreht hat. Zeitgenössische Filmkritiken und sogar eine Zulassungskarte der Film-Prüfstelle Berlin sprechen als einzige Zeugen von den neun nicht mehr erhaltenen Filmen. Die bekannten, oben schon erwähnten Klassiker wie »Nosferatu«, »Der letzte Mann«, »Sunrise« oder »Tabu« wurden zusätzlich mit teils sehr gelungenen, wenn auch oft allzu schwärmerischen Aufsätzen namhafter Filmwissenschaftler und Regisseure wie Tom Tykwer oder Wim Wenders bedacht.

Vor allem der angehängte eigentliche Ausstellungskatalog, die aufschlußreichen Ausführungen zur Überlieferung der Filme und natürlich eine angemessene Bibliographie runden das Bild eines – wenn man von einigen Redundanzen einmal absieht – rundum gelungenen Bandes ab. 1970-01-01 01:00

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap