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Karl-May-Filmbuch

Michael Petzel: Karl-May-Filmbuch. Bamberg/Radebeul 1998. Karl-May-Verlag. 544 S.
Von Oliver Baumgarten Aus dem nostalgiebehafteten Verlagshaus in Bamberg und Radebeul kommt in jenem legendären präriegrünen Hardcover mit den goldgeprägten Titellettern ein an ein Lebenswerk grenzendes Kompendium zum Karl May-Film. Michael Petzel trägt darin alle denkbaren Fakten über sämtliche Leinwandabenteuer basierend auf den Arbeiten des meistgelesenen deutschen Phantasten zusammen. Der Band gibt ausführlich Auskunft über Entstehungsgeschichte, Produktionskosten oder Pressestimmen, bietet Auszüge aus Drehbüchern, privaten Briefen und Reklametexten und beschreibt nahezu minutiös genaue Abläufe der Dreharbeiten inklusive zahlloser Anekdoten.

Der Umfang der Recherche wird besonders deutlich an der immensen Fülle amüsanter Details. So erfährt der Leser zum Beispiel, daß die Berliner Ausstattungsfirma »Neue Theaterkunst« Pierre Brices Kostüm um die Hälfte billiger anbot als Lex Barkers Filmwams. Dieses nämlich kam (in doppelter Ausführung) auf unglaubliche 1316,- DM, während der tapfere Apachen-Krieger schon für 608,- DM zu bekleiden war. Nur fair, wenn man bedenkt, daß Barker für den Silbersee mit 120.000,- DM Gage glatt das dreifache dessen erhielt, was dem Franzosen an deutschen Wirtschaftswunder-Nuggets ins Lederbeutelchen zu streichen erlaubt war.

Wer das wissen will? »Die oft trockene Materie der Namen und Daten übt auf Cineasten eine merkwürdige Faszination aus«, schreibt Petzel, und recht hat er! Dem Kern dieser Filme rückt das Buch nicht näher, und es bietet nur wenig filmwissenschaftliche Analysen, für die es einmal Zeit wäre. Aber durch seine Quellenvielfalt und unglaubliche Sorgfalt bereitet es endlich die erforderliche Grundlage und den nötigen Wissensstand, um fortan diesem so wichtigen Kapitel des deutschen Unterhaltungsfilms auf den verpönten Leib zu rücken. 1970-01-01 01:00

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