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Geschichten aus der Stadt Gottes

Pier Paolo Pasolini: Geschichten aus der Stadt Gottes. Berlin 1996. Wagenbach. 75 Seiten
Von Sabine Meyer Eine Reise nach Rom gefällig, in die Città del Dio? Mit Pier Paolo Pasolini kann das schnell zu einer Begegnung der besonderen Art werden, denn wer sich auf den eigenwilligen Italiener einläßt, landet schnell auf Abwegen, die in keinem Baedeker zu finden sind. Seine Stadtführer sind die Kastanienverkäufer, kleine Gauner und allerlei Halbseidene, die aus den Borgatas, den Vororten stammen und diese nie verlassen werden.

Nach seiner Entlassung aus dem Schuldienst lebte Pasolini selbst in diesen Slums und wußte, wovon er schrieb. In seinen literarischen Werken liegen die Wurzeln seiner späteren Kinoerfolge, in denen er seine Kritik an den gesellschaftlichen Mißständen in seiner Heimat fortführte. Die von Pasolini Anfang der 50er Jahre verfaßten Geschichten sind von bezwingender Authentizität. Man spürt ein aufrichtiges Interesse am Schicksal seiner Helden, die immer mit einem Bein in Knast stehen und deren Grundstimmung verzweifelt vital ist.

Der Band bildet eine hervorragende Ergänzung zu seinem Buch »Ragazzi di Vita«, Pasolinis literarischem Denkmal für Roms kleine Leute, und ist der neueste Schatz aus seinem Nachlaß, den der Wagenbach Verlag nach und nach ediert und optisch wie immer ansprechend in einem roten Leineneinband präsentiert. 1970-01-01 01:00

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