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Die Kunst des Filmschnitts

Michael Ondaatje: Die Kunst des Filmschnitts. Gespräche mit Walter Murch. München 2005. Carl Hanser Verlag. 376 Seiten. 27,90 EUR

Mr. Murch, wie haben Sie das gemacht?

Von Jutta Klocke Walter Murch, so zeigt sich, ist ein Mann vieler Talente. Mal Buchautor, mal Komponist, versucht er sich beizeiten auch daran, italienische Prosa in englische Lyrik zu übersetzen. Vor allem ist er aber ein Mann der Bilder. Wie der Editor zu seinem Beruf kam, was sein Arbeitsfeld des Bild- und Tonschnitts auszeichnet, aber eben auch, welche anderen Phänomene ihn bewegen, darüber gibt er in einer Reihe von Gesprächen mit dem Schriftsteller Michael Ondaatje diskussionsfreudig Auskunft.

Aber »Die Kunst des Filmschnitts« ist und will mehr als eine dialogische Biographie. Als der eigentliche Protagonist wird die Montage ins Zentrum immer wieder neuer Zusammenhänge gestellt. Bleiben diese im konkreten Rahmen der Handhabung bestimmter Szenen, kommt der Nachvollziehbarkeit sowohl die reiche Bebilderung als auch die Tatsache zugute, daß Murchs Arbeitsbeispiele wie »The Godfather I-III« oder »Apocalypse Now« inzwischen zum Kanon der Kinogeschichte zählen.

Die Gespräche schweifen aber oft genug in andere Regionen ab und räumen damit ganz nebenbei auch ein immer noch gepflegtes Vorurteil ein Stück weiter aus dem Weg. Murchs Reflexionen darüber, wie die unterschiedlichen Künste, aber auch die Gesetzmäßigkeiten der realen Welt seine Entscheidungen am Schneidetisch beeinflussen, lassen keinen Zweifel daran, daß der Cutter eben nicht nur Handlanger des Regisseurs ist und der Prozeß des Schneidens kein bloßes Handwerk, sondern eine kreative Leistung. Dies zu bestärken, kommen auch, in kleinen Sonderkapiteln, Murchs Regiekollegen Francis Ford Coppola, Anthony Minghella und George Lucas zu Wort.

Michael Ondaatje erweist sich – vielleicht aufgrund des auch bei seiner Arbeit wichtigen Gespürs für Rhythmus, Stil und Logik – als agiler Gesprächspartner. Und womöglich brauchte es gerade einen Mann der Worte, um die vorherrschende Diskussionsscheu vor der sprachlich so schwer greifbaren »Kunst des Filmschnitts« zu mildern. Murch und Ondaatje zeigen, daß auf dem Feld der Montage viele Antworten nur darauf warten, daß jemand nach ihnen fragt. 1970-01-01 01:00

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