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Ein Lidschlag, ein Schnitt

Walter Murch: Ein Lidschlag, ein Schnitt. Die Kunst der Filmmontage. Berlin 2004. Alexander Verlag. 148 Seiten. 15,50 EUR.

Der Star unter den Cuttern

Von Thomas Waitz Gäbe es unter Editoren Stars, so wie es sie unter Regisseuren, Kameraleuten, ja, selbst unter Production Designern gibt: Walter Murch wäre einer. Der mehrfache Oscar-Preisträger hat vor allem mit Francis Ford Coppola zusammengearbeitet. Einem größeren Publikum blieb er jedoch unbekannt. Das dürfte wohl seinem wenig glamourösen Metier geschuldet sein: denn was die Arbeit an Filmschnitt und Montage auszeichnet, wie ihre Praxis aussieht – das scheint nach wie vor ein unbekanntes Feld. Und so sind Editoren dann umständehalber nur »Cutter« – ein Ausdruck, den unglücklicherweise auch der Übersetzer des vorliegenden Bandes gewählt hat. Wer sich an solchen Holprigkeiten nicht stört, der kann aus der Perspektive eines Hollywood-Editoren eine Menge über die Arbeit im Schneideraum erfahren – und die eine oder andere Anekdote aus der Postproduktion von Filmen wie »Apocalypse Now« oder »The English Patient«.

Murchs Buch, dessen deutsche Ausgabe auf der Neubearbeitung eines bereits 1995 in den USA erschienen Werkes basiert, gliedert sich dabei in zwei Teile: Zunächst erläutert der Autor sehr allgemein Grundlagen des Filmschnitts, die er unter dem Blickwinkel praktischer Arbeit entwickelt, ohne sich auf einen filmtheoretischen Rahmen zu beziehen. Im Anschluß werden einige »Prinzipien« der Montage entfaltet (wobei Murch ausschließlich für eine bestimmte, wenngleich dominante Form des Erzählkinos spricht, ohne diese Limitation kenntlich zu machen), um schließlich der beziehungsreichen Frage nachzugehen, welche Entwicklungen die Arbeit des Editoren im Zuge der Digitalisierung genommen hat. Vor allem die kenntnis- und detailreiche Darstellung der verschiedenen non-linearen Schnittsysteme steht dabei in einem befremdlichen Widerspruch zu dem sehr basalen und sich eher an Laien wendenden ersten Kapitel.

Murch pflegt den bei vielen US-amerikanischen Autoren beliebten Plauderton, was ihm durchaus sympathisch gerät. Das jedoch sehr häufig strapazierte Stilmittel des Vergleichs mit alltagsweltlichen Phänomenen produziert bisweilen allein Tautologien – da wäre eine theoretische Fundierung und etwas mehr Tiefe und Präzision manches Mal wünschenswert gewesen. Trotz dieser inhaltlichen Schwächen eine angenehm zu lesende, gewitzte und anschauliche Einführung in die Praxis des Filmschnitts in Hollywood. 1970-01-01 01:00

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