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Montage/AV: Erinnern, Vergessen.

Montage/AV – Zeitschrift für Theorie & Geschichte audiovisueller Kommunikation: Erinnern, Vergessen. Ausgabe 11/1/02. Schüren Verlag. 182 Seiten. 12,80 EUR
Von Michael Leuffen Konservieren ästhetisch modulierte Texte Formen kultureller Erinnerung? Hat die Populärkultur im Allgemeinen und haben die Audiovisuellen Medien im Speziellen ein kulturelles Gedächtnis? Fragen, die den Diskurs der medienwissenschaftlichen Forschung seit den frühen 90er Jahren besonders im angloamerikanischen Raum mitbestimmen. Dabei spielen andere wissenschaftliche Disziplinen wie die Neurologie und Psychologie ein wichtiges Fundament, um der Spur eines audiovisuellen Gedächtnisses näherzukommen. Mit »Erinnern, Vergessen« widmet sich jetzt die zweimal jährlich erscheinende Zeitschrift »Montage/AV – Zeitschrift für Theorie & Geschichte audiovisueller Kommunikation« dem Thema durch acht verschiedene Aufsätze.

Dabei stehen vor allem die historische Grundlage des Erinnerns und deren audiovisuelle Umsetzung im Vordergrund der Texte. Der amerikanische Professor Michael Renov diskutiert zum Beispiel den »Holocaust-Dokumentarfilm« als ein Genre, das dokumentarische Bilder mit dem Problem historischer Repräsentation konfrontiert. Demgegenüber beschreibt die in Frankfurt lehrende Wissenschaftlerin Heike Klippel anhand von Daily Soaps, wie Medien historisches Wissen generieren und welchen Umgang das Format der Seifenoper in Bezug auf Vergangenheiten pflegt. Desweiteren liefert Thomas Elsässer einen äußerst lesenswerten philosophischen Kommentar zu klassischen Geschichtskonzepten und deren Verflüchtigung durch audiovisuelle Medien.

Als weiteres Highlight der Publikation ist der vom Weimarer Filmwissenschaftler Oliver Fahle verfaßte Aufsatz »Zeitspaltungen – Gedächtnis und Erinnerung bei Gilles Deleuze«, der in komprimierter Form die Deleuzeschen Kategorien des Erinnerungs- und Gedächtnisbildes erörtert und diese anhand von Filmbeispielen exemplifiziert, zu nennen. Insgesamt bietet der neue Montage/AV-Band so einen Rundblick über verschiedene Ansätze der Erinnerungs- und Gedächtnisforschung im Rahmen medialer Wissenschaftsbereiche und präsentiert dem Leser so einen anspruchsvollen Einstieg zu historisch generierten Fragestellungen, die in den Medienwissenschaften noch lange und kontrovers diskutiert werden dürften. 1970-01-01 01:00

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