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Filme über sich selbst

F.T. Meyer: Filme über sich selbst. Strategien der Selbstreflexion im dokumentarischen Film. Bielefeld 2005. Transcript Verlag. 222 Seiten. 25,80 Euro.
Von Nicole Ribbecke Zurück zum Ursprung heißt es zunächst bei Dr. phil. F.T. Meyer, indem er zu Beginn seiner Arbeit keltische Lieder sprechen läßt als einen Ausgangspunkt von Wahrnehmung der Wirklichkeit und des Selbst. Dank unserer weit zurückreichenden Kultur, kommen auch die beiden großen Persönlichkeiten zu Wort, die stets den Anbeginn kulturhistorischer Betrachtungen einzuläuten scheinen: Platon und Aristoteles als Vertreter des antiken Mimesisbegriffs.

Der fragmentarische Überblick über verschiedene Wahrnehmungsmodelle gestaltet sich im folgenden nicht minder ausführlich. Wir begleiten den Autor von der Camera Obscura zur holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts über die Entwicklung der Zentralperspektive bis hin zur Fotographie.
Montaigne markiert den Beginn autobiographischen Selbstverständnisses, wird später in Verbindung mit dem essayistischen Dokumentarfilm Markers aufgegriffen. Die Entwicklung des Cinematographe Lumière, Direct Cinema sowie Cinéma vérité wird herausgestellt und das Zeitgeschehen einbezogen. Auch ohne Vorkenntnis kann man hier einen Text genießen, der sich eindeutig nicht allein mit filmischer Ausdrucksweise beschäftigt.

Zwischen den philosophischen Pamphleten inmitten einer kulturhistorischen Genealogie des Abendlandes, angereichert mit politischen, gesellschaftlichen und industriellen Umwälzungen, wird man gewahr, daß es sich hierbei nicht nur um »Filme über sich selbst« handelt – daß es in diesem Fall um mehr geht als um »Strategien der Selbstreflexion«, daß hier etwas anderes angestrebt wird als der Dokumentarfilm als adäquate Methode der subjektiven Vermittlung mit Authentizitätsanspruch auszuzeichnen.

Die vorliegende Arbeit hat den Anspruch, durch die exemplarisch dargestellten Dokumentarfilmkonzeptionen der Postmoderne einen Rahmen zu verleihen. Gemeinsamkeiten der Ideologien und Wirklichkeitsvorstellungen werden ebenso ausgelotet wie durch Unterschiede der Methoden und Paradigmen abgegrenzt wird. Das Ablehnen vergangener Traditionen kreiert somit den postmodernen Pluralismus. Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit und der erwähnten Anforderung gerecht werdend weist F.T. Meyer anhand der Arbeiten Griersons, Flahertys, Vertovs, Vigos und Kluges nicht nur den didaktischen und funktionalen Umgang mit dem Medium Film auf, sondern läßt uns auch nach Zuklappen seines Buches eine ganze Weile nicht mehr los. 1970-01-01 01:00

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