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Filmkunst und Gesellschaftskritik

Walter Lesch, Charles Martig, Joachim Valentin (Hg.): Filmkunst und Gesellschaftskritik. Marburg 2005. Schüren Verlag. 232 Seiten. 16,90 Euro
Von Michael Leuffen Die gesellschaftskritische Dimension des Kinos kann viele Gesichter haben. Das zeigte sich in unterschiedlichsten Epochen der Filmgeschichte. Der Neo-realismus setzte auf die Kopplung von Fiktion und realistischer Alltagsabbildung. Und die Nouvelle vague oder der Neue Deutsche Film versuchten zum Teil, Kritik durch ästhetische Ausdruckskraft mit symbolischem Charakter zu formulieren. Auch im fiktionalen Mainstream-Kino, das vordergründig keinen direkten Kommentar zum Ist-Zustand der Gesellschaft besitzt, gab es immer wieder Regisseure und Bewegungen, die mit scharfem Blick eine analysierende, fragestellende Film-Praxis suchten.

Daß kritische Filmkunst nun anscheinend wieder im Kommen ist, belegen nicht nur Gewinner der großen Festivals, wie beispielweise die Brüder Luc und Jean-Pierre Dardenne, die mit ihrem Film L'enfant 2005 die goldene Palme von Cannes gewannen. Auch Hollywoodfilme wie Syriana von Stephen Gaghan diskutieren augenblicklich unangenehme Fragen.

Der siebte Band der Reihe »Film und Theologie« widmet sich nun dem Phänomen Gesellschaftskritik im Kino und versucht, den Themenkreis ästhetisch und inhaltlich zu erörtern. Ein guter Vorsatz, der leider im immer gleichen mündet. Denn nur die üblichen Verdächtigen stehen hier im Fokus des Interesses. Abgesehen von Aufsätzen wie dem von Rheinhold Zwick über den nordfranzösischen Autorenfilmer Bruno Dumont oder Günter Weyrichs Text zum Kino des Andreas Dresen stehen mit Regisseuren wie Michael Moore, Pier Paolo Pasolini, Ken Loach, den Dardenne-Brüdern oder den Dogma 95-Vertretern nur die Filmemacher im Mittelpunkt, deren Werk ohnehin schon des öfteren unter der Prämisse ihrer kritischen Dimension analysiert wurde. Die Autoren der Texte lesen und diskutieren die Regisseure und ihre Filme zwar durchaus kritisch und streckenweise neu im Sinne der ästhetischen, filmsprachlichen und natürlich theologischen Punkte. Allerdings gibt es zu diesen Regisseuren schon jede Menge kluger Worte, und die meisten hier zu lesenden sind so bereits in ähnlicher Form formuliert worden.

So ist nicht viel Neues unter dem verheißungsvollen Titel »Filmkunst und Gesellschaftskritik« zu lesen. Schade, denn es hätten zum Beispiel auch einmal typische Hollywood-Blockbuster auf ihre versteckten Infragestellungen von Gesellschaft betrachtet werden können. 1970-01-01 01:00

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