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Psycho

Janet Leigh: Psycho. München 1996. Heyne Verlag. 208 Seiten
Von Dirk Steinkühler Über kaum einen Thriller wurde mehr geschrieben und geredet als über Alfred Hitchcocks »Psycho«. Fast könnte man meinen, sein Klassiker wäre namensgebend für das Genre des Psychothrillers gewesen; richtungsweisend war er in jedem Fall. Und über keinen der Darsteller wurde mehr getuschelt und spekuliert als über Janet Leigh, oscarnominierte »Nebendarstellerin« in der Rolle der Marion Crane.

Nach 35 Jahren packt der ergraute Star vergangener Tage endlich aus und räumt mit Gerüchten und Falschmeldungen auf. Was sich zunächst wie ein Enthüllungsreport für Freunde der Regenbogenpresse anhört, entpuppt sich schnell als eine kurzweilige und informative Chronologie des Produktionsprozesses. Unter dem Deckmantel von Leighs Plaudereien verbergen sich eine Fülle von Informationen über Kamera- und Regietricks, die vor allem durch Interviews mit dem Drehbuchautor Joseph Stefano und dem Kameraassistenten Hilton Green erläutert werden. Dazu gehören Hitchcocks meisterlicher Blick für brillante Einstellungen, ohne durch die Kamera zu schauen, Kommentare zu den wichtigsten Filmsequenzen, der »Vögel«- und »schwarzweiß«-Symbolik sowie die wirksame Maßnahme des Regisseurs, dem Zuschauer nicht zu verraten, daß sein weiblicher Star bereits im ersten Drittel des Films stirbt.

Co-Autor Christopher Nickens muß allerdings Janet Leighs Schwäche zu ausschweifender VIP-Berichterstattung auffangen. Dazu resümiert er kurz die Sachlage und erwähnt in Zwischenspielen verschiedene andere Beteiligte und Aspekte. Auf Dauer nervt Leighs permanente Beweihräucherung ihrer Schauspielkunst und ihre Faszination für den Meister. Außerdem sollte sie sich ernsthaft fragen, wen es interessiert, ob sie nun maßgeschneiderte Dessous verlangte oder nicht?

Spannender sind da schon ihre Beobachtungen am Set, wo tatsächlich ein Nacktmodell herumspazierte und Saul Bass die Duschszene nicht nur nicht gedreht hat, sondern gänzlich abwesend war. Leighs Berichte über ihre begeisterte Beteiligung an John F. Kennedys Wahlkampf sind hingegen äußerst fehl am Platz. Positiv erweist sich ihr Griff in alte Fotokisten, in denen sie eine Fülle kurioser Schnappschüsse hervorholt. Nach Anblick einiger Bilder glaubt niemand mehr, daß es bei »Psycho« nur um Horror geht. 1970-01-01 01:00

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